Auf der Euphoriewelle zum RaR-Gesamtsieg

Die insgesamt 8. Teilnahme auf einer längst bekannten Strecke in bewährter und eingespielter Teamzusammenstellung – was sollte Rad am Ring 2017 da noch Unerwartetes hervorbringen? So einiges, das sei schon einmal gesagt! Doch steigen wir erst einmal langsam in die Story ein und beginnen beim Gewohnten: Die Anreise! Aus alter Tradition treffen sich Björn, Thomas und Sven am Freitagvormittag im Sauerland, um von dort aus vollgepackt mit allem, was man auch zum Auswandern benötigen würde, in die Eifel aufzubrechen. Nach einem ebenso ritualisierten Kaffee-Zwischenstopp an der Raststätte Aggertal war der Ring zum Greifen nah. Premiere Nr. 1: Eine Anreise ohne Stau. Ja sehr gut, das Wochenende sollte unter einem guten Stern stehen. Auch in Sachen Wetter waren wir auf dem richtigen Weg. Ein ganzes Wochenende Sonnenschein in der Eifel – na das ist ja schon fast wie ein 6er im Lotto. Dementsprechend guter Dinge und bestens gelaunt kamen wir am Freitagnachmittag zusammen mit hunderten weiteren Radsportverrückten am Nürburgring an.  Drei der angesprochenen Radsportverrückten nahmen uns auf unserer Stammparzelle herzlich in Empfang: Lina, Lukas und Martin waren erst wenige Minuten vor uns angekommen.

Der Start ins Wochenende wird mit Gegrilltem und Weizenbier gefeiert

Der Start ins Wochenende wird mit Gegrilltem und Weizenbier gefeiert

Mit vereinten Kräften richteten wir unser imposantes und von Jahr zu Jahr professioneller ausgestattetes Lager ein. Zelte und Pavillons waren ebenso schnell aufgebaut wie der für den Freitagabend überlebenswichtige Grill. In entspannter Atmosphäre genossen wir die wohltuenden Sonnenstrahlen bei mageren Putensteaks, frischen Salaten und isotonischen Kaltgetränken. Wohl vom Grillgeruch angelockt gesellte sich am frühen Abend auch Berit in unsere illustre Runde.

Grillmeister Lukas hat die Versorgung der hungrigen Teammitglieder fest im Griff

Grillmeister Lukas hat die Versorgung der hungrigen Teammitglieder fest im Griff

Was macht man an so einem Abend, dem Abend vor der großen Quälerei? Zurückblickend ist man damit beschäftigt, Sturmschäden am Zelt zu reparieren, durchnässte Klamotten mittels Heizofen in den Ursprungszustand zu bringen oder die von Löchern bespickte Luftmatratze zu flicken. Am Freitag war alles anders. Das Lager war besser und schneller eingerichtet denn je, das Essen mitsamt gesponserten Nudelsalaten schmeckte köstlich und die Vorfreude auf den Startschuss lag förmlich in der Luft. Einzig die zehn fehlenden Hühnereier, die für das Rührei am nächsten Morgen vorgesehen waren, bereiteten Kopfschmerzen. Nachdem wir für alle die Startunterlagen abgeholt hatten und die eine oder andere Anekdote der letzten Jahre ausgetauscht hatten, läuteten wir die Nachtruhe ein. Auf das Öffnen der Augen folgte am Samstagmorgen gegen sieben Uhr der für den Ring übliche Kontrollcheck: Innenwände Zelt trocken? Check! Strom vorhanden? Check! Blauer Himmel? Check! Wahnsinn, so gut lief es noch nie. Mit der aufgehenden Sonne trafen schließlich auch Elisa und Christian auf der Grand Prix Strecke ein. Traditionell ist Christian als Frühstücksminister für das leibliche Wohl der Bande verantwortlich. Spätestens als der Wahl-Österreicher die 10 vermissten Hühnereier aus dem Hut zauberte, lagen ihm alle Bergbeißer zu Füßen. So gemütlich wie der Freitagabend endete, startete der Samstagmorgen mit einem ausgiebigen Frühstück. Mit der Ankunft von Astrid und Oliver war das Team komplettiert.

Das RaR-Team: Christian, Sven, Björn, Lukas, Oliver, Thomas, Astrid, Lina (stehend v.l.n.r), Berit, Martin und Elisa (sitzend v.l.n.r.)

Das RaR-Team: Christian, Sven, Björn, Lukas, Oliver, Thomas, Astrid, Lina (stehend v.l.n.r), Berit, Martin und Elisa (sitzend v.l.n.r.)

Kurz zur Übersicht: Wir haben am Wochenende drei Bergbeißer-Teams auf dem Rennrad durch die Grüne Hölle geschickt. Astrid und Lina stellten sich der Frauen-Konkurrenz der 2er Teams, Oliver und Lukas taten selbiges bei den Männern und Björn, Christian, Thomas und Sven nahmen es mit den 4er Teams auf sich. Berit, Elisa und Martin füllten den letztendlich wichtigsten Part des Wochenendes aus und erledigten 90 Prozent der anfallenden Arbeit. Während unsere „Radler“ lediglich einigermaßen zügig in die Pedale treten mussten, kümmerte sich das Support-Trio um alle weiteren anstehenden Aufgaben. Sie fungierten als Mechaniker, Fotografen, Physiotherapeuten, Köche, Entertainer, Motivatoren oder Manager – einfach klasse diese Unterstützung.

Letzte Reparaturen am Bike vor dem Start

Letzte Reparaturen am Bike vor dem Start

Nachdem bis dato alles so reibungslos lief, sollte kurz vor dem Start dann doch noch etwas Hektik aufkommen. Insbesondere letzte Reparaturen am Rad sollten den geregelten Ablauf noch einmal durcheinander bringen. Doch auf die letzte Sekunde waren alle Bergbeißer startklar. Oliver, Astrid und Björn übernahmen jeweils den Part des Startfahrers und schlängelten sich im Renntempo durch die Grüne Hölle. Nach nicht einmal annähernd einer Stunde war das Trio wieder am Teamlager angekommen.

Lukas und Lina warten gespannten auf Ihren Einsatz

Lukas und Lina warten gespannten auf Ihren Einsatz

Folglich übernahmen Lina, Lukas und Christian die Staffelstäbe. Auch die Drei meisterten Ihre jeweils erste Runde im Eiltempo. Während dann schon wieder Astrid und Oliver in die Pedale treten mussten, komplettierten Sven und Thomas die Runde 3 und 4 für das 4er Team.Die Startphase war überstanden und innerhalb des gesamten Teams ebbte die Euphorie nicht ab. Die Beine waren noch frisch, die Sonne sorgte für die Rennfahrerbräune und dank des großartigen Supports im Lager sollte auch während der Ruhephasen kein Wunsch unerfüllt bleiben. Bis in die Abenddämmerung sorgten insbesondere unsere beiden 2er Teams für Furore. Mit konstanten Rundenzeiten um die 55 Minuten (Mädels) und unglaublichen 47 Minuten (Jungs) waren die Augen klar auf einen Podiumsplatz gerichtet. Auch das 4er Team überzeugte in einer starken Konkurrenz mit ehemaligen Radprofis wie Rene Haselbacher oder Paul Voß und räumte den einen oder anderen persönlichen Rundenrekord ab.

Daumen hoch für die Startphase

Daumen hoch für die Startphase

Der Bergbeißer-Express nahm also Fahrt auf und schien nicht zu bremsen. Doch, die Bremse schlug ein, und zwar wie… um kurz nach 8 Uhr klingelte Lukas Handy. Oliver war in der Leitung, der sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich im steilen Anstieg hinauf zur Hohen Acht befinden sollte und dabei an alles andere als an Telefonieren denken sollte. Kurz und knapp schilderte Oliver: „Rahmenbruch, das war´s!“ Die große Euphorie war vorbei, Resignation und vor allem Sorge machte sich breit. Umso größer dann die Erleichterung, dass Oliver zwar mit einem zerstörten Rahmen, selbst aber unversehrt aus einem Service-Wagen stieg. In der schnellen Kurvenpassage hinunter nach Adenau tat es einen stumpfen Knall und der Rahmen erreichte bei Tempo 85 km/h sein Lebensende. Nur der schnellen Reaktion von Oliver und einem hellwachen Schutzengel war es zu verdanken, dass das Rad samt Fahrer ohne unfreiwilligen Bodenkontakt zum Stehen kam. Lediglich eine kleine Schürfwunde, die sich Oliver an der scharfen Bruchstelle einholte, zierte von dem Schreckmoment. Dem Renner war dagegen schnell anzusehen, dass er für das 24h Rennen am Nürburgring und auch für weitere Ausfahrten nicht mehr zur Verfügung steht. Für Oliver und Lukas blieb fortan nur noch die Zuschauerrolle. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Beiden auf einem aussichtsreichen 2. Gesamtplatz. Doch nachdem der erste Schock überstanden war, war das Duo schon wieder zu Scherzen aufgelegt. Zusammen mit Berit, Elisa und Martin setzten Oliver und Lukas nun alles daran, den Support für das 2er und das 4er Team zu bündeln.

Lina und Lukas sind froh, den Anstieg hinaus zur Hohen Acht hinter sich gebracht zu haben

Lina und Lukas sind froh, den Anstieg hinaus zur Hohen Acht hinter sich gebracht zu haben

Astrid und Lina starteten als Führungsduo in die Nacht und auch Björn, Christian, Sven und Thomas waren weit von Rundenzeiten über einer Stunde entfernt. In Anbetracht des guten Wetters schlugen die Fahrer ihr Nachtlager unter freiem Himmel auf. Eingemuckelt im Schlafsack verfolgten die Akteure vom Gartenstuhl aus das Treiben auf der Rennstrecke. Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle, sodass Sven zusammen mit Lukas den Sonnenaufgang in der Eifel begrüßte. Im Formationsflug rasten die beiden über den Ring und genossen die Fahrt in den Morgen hinein. Auch die Rundenzeiten sollten sich mit dem angebrochenen Tag wieder verbessern. Währenddessen übernahm Martin den Posten des Frühstücksministers und versorgte alle Teammitglieder mit dem nötigen Koffeinnachschub. Zu diesem Zeitpunkt bauten Lina und Astrid ihren Vorsprung in der Gesamtwertung auf nun schon zwei Runden weiter aus. Die erfahrenen Nordschleifen-Hasen um Björn, Christian, Sven und Thomas sicherten ihren Platz im ersten Viertel der 4er Teams.

Noch einmal den Tacho nullen und ab in die Grüne Hölle

Noch einmal den Tacho nullen und ab in die Grüne Hölle

Die gute Atmosphäre im Team und der Einsatz aller für jedes einzelne Teammitglied trösteten über das frühe Ausscheiden von Oliver und Lukas hinweg. Vielmehr setzte am Sonntagvormittag eine Jetzt-erst-recht-Stimmung ein. Auch der stärker aufkommende Wind, insbesondere als Gegenwind auf der Döttinger Höhe deutlich spürbar, machte den Bergbeißern keinen Strich mehr durch die Rechnung. Der komfortable Vorsprung der Mädels erlaubte zum Abschluss sogar noch eine Ehrenrunde.

Beim letzten Wechsel blieb sogar noch Zeit für ein Teamfoto, ehe Lina, Lukas, Sven und Christian die Schlussrunde einläuteten

Beim letzten Wechsel blieb sogar noch Zeit für ein Teamfoto, ehe Lina, Lukas, Sven und Christian die Schlussrunde einläuteten

Nachdem Björn und Thomas noch einmal Top-Rundenzeiten in den Asphalt meißelten, machten sich Sven und Christian zusammen mit Lukas und Lina auf die Schlussrunde – und diese wurde zelebriert, so viel sei gesagt. Christian und Sven loteten noch einmal aus, was bergab mit Windschatten und jeder Menge Motivation für Spitzengeschwindigkeiten möglich sind. Am Verpflegungsstand im Streckenabschnitt Bergwerk wurde standesgemäß auf den Gesamtsieg der Mädels angestoßen. Leider nicht wie Froome und Co mit Sekt, aber immerhin mit einem erfrischenden Iso-Drink. Am sonst so verfluchten Anstieg hinauf zur Hohen Acht blieb sogar Zeit und Luft für Fotos und auch der Verpflegungsstand am höchsten Punkt der Nordschleife wurde erstmals angesteuert. Mit einer deftigen Mettwurst im Magen steuerte das Quartett dem Ziel entgegen.

An der Hohen Acht gönnten sich die Bergbeißer zum Abschluss noch eine deftige Mettwurst

An der Hohen Acht gönnten sich die Bergbeißer zum Abschluss noch eine deftige Mettwurst

Auf der Zielgeraden standen die anderen Teammitglieder in freudiger Erwartung. Gemeinsam überquerten alle drei Teams der Bergbeißer die Ziellinie. Die 24h waren überstanden! Pure Erleichterung und der eine oder andere emotionale Ausbruch machten sich breit. Es war geschafft, und wie?!

Lina (l.) und Astrid dürfen sich bei der Siegerehrung für den Gesamtsieg feiern lassen

Lina (l.) und Astrid dürfen sich bei der Siegerehrung für den Gesamtsieg feiern lassen

Lina und Astrid räumten in souveräner Manier die Gesamtwertung der 2er Frauen Teams ab und Björn, Christian, Sven und Thomas spulten die noch im Vorjahr verpassten 25 Runden ab und belegten am Ende den 153. Platz aller 580 4er Männer-Teams. Lukas und Oliver setzten der Anfangsphase des Rennens ihren Stempel auf und sorgten dafür, dass der Konkurrenz für das nächste Jahr angst und bange werden kann. Im nächsten Jahr wollen alle acht Bergbeißer wieder angreifen. Und wer weiß, vielleicht wechselt dann auch der eine oder andere Supporter die Seiten und steigt mit aufs Rad.

Wir sehen uns 2018, auf und neben der Strecke!