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Starke Teamleistung in der Eifel

von |September 23rd, 2018|

Starke Teamleistung in der Eifel

Rad am Ring – ein Event, das für die Bergbeißer seit nunmehr neun Jahren zu einem festen Bestandteil der Rennsaison gehört. Entsprechend groß sind die Erfahrungen, die ein jedes Teammitglied – Fahrer und Betreuer zugleich – in der tiefsten Eifel auf und neben der Strecke bereits gesammelt hat. Die Herausforderung „24h Rennen“ wurde von Jahr zu Jahr professioneller gehandhabt. Und so konnte es den Bergbeißern nichts anhaben, dass die Kaderzusammensetzung in diesem Jahr grundlegend verändert wurde. Aus allen erdenkbaren Himmelsrichtungen trafen die Bergbeißer am Freitagnachmittag bei bestem Sommerwetter am Ring ein.

Traditionelles Angrillen am Freitagabend

Traditionelles Angrillen am Freitagabend

Der Starterliste war die Beteiligung der Bergbeißer wie folgt zu vernehmen: Lukas und Oliver (2er Team) sowie Lina, Christian, Allessandro und Sven (4er Team). Während Lukas und Oliver den Rahmenbruch und die dadurch verwehrten Chancen auf den Gesamtsieg des letzten Jahres vergessen machen wollten, holten sich die anderen drei Rennradler mit Vorjahressiegerin Lina kurzerhand weibliche Verstärkung ins Team. Ebenso stark besetzt waren die Bergbeißer im Betreuerteam, sodass auch die kuriosesten Wünsche der geschlauchten Fahrer erfüllt wurden. Ein spontaner Lichtwechsel nachts um 2 Uhr, der Heißhunger nach gekochten Nudeln um 5 Uhr, der moralische Aufbau nach einem technischen Defekt oder das Herauslegen der Renngarnitur – Berit und Christoph waren ebenso zur Stelle wie Petra und Nadine, die schon lange bevor am Freitag der erste Zelthering in den Boden gehämmert wurde, kulinarische Überlebenspakete zubereiteten.

Die Bergbeißer fiebern dem Start entgegen

Die Bergbeißer fiebern dem Start entgegen

Traditionell gehen die Bergbeißer in der Eifel nach dem Aufbau des Teamlagers in den gemütlichen und schönsten Teil des Wochenendes über: Der Grillabend! Saftige Steaks, Sportfreunde Stiller in der Dauerschleife, wohlmundende isotonische Getränke und nicht ernst zu nehmende Taktikbesprechungen füllten auch in diesem Jahr den Abend. Von Unwettern verschont blickten alle Anwesenden dem Start des 24h Rennens entgegen. Während sich die beiden Startfahrer Oliver und Sven auf den Weg zur Start-/Zielgerade der Nürburgring Grand Prix Strecke machten, tütete der Rest noch einige Schnappschüsse für die Kategorie „Vorher / Nachher“ ein.

Sven inmitten des riesigen Starterfeldes in der Eifel

Sven inmitten des riesigen Starterfeldes in der Eifel

Pünktlich um 12:46 Uhr war der Startschuss gefallen. Zusammen mit den Teilnehmerfeldern der drei Jedermann-Rennen begaben sich Oliver und Sven auf die erste rasante Durchfahrt durch die Grüne Hölle. Langsam wollten sie es angehen, schließlich hatten sie ja noch 24h vor der Brust. Pustekuchen! Gepackt von diversen Tempovorstößen legte das Duo gleichermaßen auf den jeweiligen Streckensegmenten eine persönliche Bestzeit nach der anderen auf den Asphalt. Das schnelle Renntempo wurde auch in den kommenden Runden beibehalten, sodass auch Lina, Christian, Nordschleifen-Neuling Allessandro und Lukas gebeutelt aber zufrieden zur Basis zurückkehrten. Der Start war gemacht! Ähnlich reibungslos fuhren die sechs der Abenddämmerung entgegen.

Sven und Lukas düsten zwischenzeitlich als Gespann durch die Grüne Hölle

Sven und Lukas düsten zwischenzeitlich als Gespann durch die Grüne Hölle

Runde um Runde und Platz um Platz arbeiteten sich Lukas und Oliver bis auf den dritten Rang in der Gesamtwertung vor. Wichtig war nun nach den harten Temporunden zu Beginn einen Rhythmus zu finden welcher die beiden sicher durch die Nacht bringt. Immer die vor Ihnen liegenden Rückennummern im Blick arbeiteten sich die beiden Runde um Runde immer näher an das zweitplatzierte Duo, bis es endlich in Sichtweite war. Nach einer anfänglichen Lauertaktik entschlossen Lukas und Oliver sich jedoch mit den beiden Zusammen zu arbeiten, für solche kraftraubenden Spielchen war es einfach noch zu früh. Die Zusammenarbeit funktionierte auch hervorragend, so dass bis zur 17. Runde nahezu konstante Rundenzeiten gefahren werden konnten. Dann passierte es. Kurz nach dem Wechsel in die 18. Runde knallte es und Lukas hat seine Rennmaschine kurzer Hand in ein Singlespeed umfunktioniert. Mitten in der Nacht, im Dunkeln, ein gerissener innen verlegter Schaltzug. Damit war der Traum vom Podium für die zwei erneut geplatzt.

Staffelübergabe: Christian schickt Allessandro auf die Strecke

Staffelübergabe: Christian schickt Allessandro auf die Strecke

Das Quartett um Lina, Christian, Allessandro und Sven lieferte derweil konstante Rundenzeiten ab. Völlig unbeeindruckt von einbrechender Dunkelheit und zunehmendem Kräfteverschleiß spulten die Vier ihre Runden ab. Über die Nacht ging es dann im stark besetzten Feld der 4er Teams Platz für Platz weiter nach vorne. Mit dem Sonnenaufgang am Sonntagmorgen platzierten sich die Bergbeißer unter rund 700 4er Teams auf Rang 151. Ein Platz, den das Quartett auch bis zum Erreichen der Ziellinie nicht wieder hergeben sollte. Christian und Sven gingen die letzte, 25. Runde gemeinsam an und fuhren im Spalier der anderen Teams ein finales Mal über die Start-/Zielgerade des Nürburgringes.

Im nächsten Jahr wollen die Bergbeißer in der Eifel erneut an den Start gehen und angreifen!

Fotos: Sportograf (1), Privat (4)

Bergbeißer sammeln Trainingskilometer auf Mallorca

von |Mai 16th, 2018|

Bergbeißer sammeln Trainingskilometer auf Mallorca

In diesem Jahr ging es für unsere sechs Rennradler nach Mallorca. Partyurlaub auf der Insel? Fehlanzeige! Stattdessen sammelten Lina, Lukas, Thomas, Christian, Christoph und Sven Trainingskilometer für die laufende Saison. In einem kleinen Tagebuch haben die Bergbeißer ihre Touren zusammengefasst:

Tag 1:

Um 6:35 Uhr ging es für Lina, Thomas und Lukas vom Flughafen Düsseldorf ins langersehnte Team Bergbeißer – Trainingslager nach Mallorca. Nachdem die drei Ihre Rennräder abgeholt hatten, stand für den ersten Tag erst einmal Einrollen auf dem Programm.

Erster Tag, erste Panne: Nach wenigen Handgriffen konnte die Fahrt wieder aufgenommen werden
Erster Tag, erste Panne: Nach wenigen Handgriffen konnte die Fahrt wieder aufgenommen werden

Flach durch den Südosten Mallorcas ging es zunächst entlang der Küste über Campos und Porrers bis nach Petra. Auf dem Marktplatz im Zentrum des historischen Dorfes stärkten sich die drei bei einer typischen Tarta Almendra und Café con Leche, bevor es über Montuiri und Llucmajor zurück an die Platja de Palma ging. Am Ende standen knapp 110 km und 850 hm auf dem Tacho und ein erstes verdientes  Cerveza konnten die drei in der Sonne genießen.

Tag 2:

Der zweite Tag führte die drei Bergbeißer in Richtung des Tramuntana-Gebirges im Westen der Insel. Über Santa Maria del Cami und Bunyola wartete der erste Anstieg, der Coll de Sóller. Der Coll de Sóller (496 m) ist einer der wenigen echten Pässe Mallorcas. Der Coll de Sóller weist auf seiner 5 km langen Rampe eine traumhaft schöne Serpentinenkonstruktion auf. Nach der 10 km langen rasenden Abfahrt bis nach Sóller führte die Tour entlang der traumhaften Küstenstraße über Deià, Valldemossa über welliges Terrain. In Deià gab es dann die verdiente Stärkung in einem der traumhaften Cafés des wunderschönen Bergdorfes.

Über den Puigpunyent und Galilea ging es über den Col de Sa Creu entlang der  Südküste zurück zum Basislager. Nach 125 km und 2300 hm konnte das Trio auf eine traumhafte Tour zurückblicken.

Herrlicher Blick auf den Anstieg zum Col de Sollér

Herrlicher Blick auf den Anstieg zum Col de Sollér

Tag 3:

Am dritten Tag kam endlich Christian als Verstärkung für das Team hinzu. Das hieß erneutes Einrollen für Christian. Die Tour führte uns entlang der MA15 über Algaida zunächst nach Petra. Nach einer schönen Kaffeepause auf dem Marktplatz in Petra führte uns die Tour über Felanitx hinauf zum Puig de Sant Salvador, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Mallorcas. Am Kloster (509 m) angekommen, schmiegt sich die Wallfahrtskirche Santuari de Sant Salvador wie ein Schwalbennest an den Berghang. Die Flaschen mit frischem Bergquellwasser aufgefüllt rollten die Bergbeißer zurück zur Platja de Palma. Am Ende des Tages zählte der Tacho 120 km mit 1200 hm.

Puig de Sant Salvador, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Mallorcas

Puig de Sant Salvador, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Mallorcas

Tag 4:

Die 4. Tour führte Lina, Lukas, Thomas und Christian über Bunyola und Esporles erneut in Richtung Westküste. Zunächst hoch zur Küstenstadt Banyalbuffar, dann entlang der traumhaften Küstenstraße über Estellencs bis nach Andratx. In Andratx angekommen war der Großteil der Tour geschafft, so dass sich das Team auch hier auf dem Markplatz noch einmal stärken konnte bevor es über den letzten Anstieg – Coll de Sa Creu – zurück zum Hotel ging. 120 km mit 1900 hm am konnten am Tagesende in das Fahrtenbuch eingetragen werden.

Bei bestem Wetter eroberten die Bergbeißer die Westküste

Bei bestem Wetter eroberten die Bergbeißer die Westküste

Tag 5:

Am 5. Tag des Trainingslagers sollte es zum Orient gehen. Der Coll d’Honor (550 m) sowie der Ort Orient liegen an der Ostflanke der Serra de Tramuntana, dem Gebirgszug entlang der Westküste von Mallorca. Der Coll d’Honor ist der vierthöchste Pass auf Mallorca. Die 95 km (1020 hm) lange Tour führte die 4 Bergbeißer zunächst nach Bunyola, von wo aus der 6 km lange Anstieg zum Coll d`Honor beginnt. Über Binissalem, Sencelles und Algaida ging es überwiegend abwärts zurück zum Hotel wo die Bergbeißer Sven und Christoph bereits warteten.

Keine Ausfahrt ohne Mandelkuchen

Tag 6:

Vor dem Hintergrund einer Maßnahme zur Teamstärkung am Vorabend, andauernden Regenfällen und einer wohlverdienten Ruhepause ließen es die Bergbeißer am 6. Tag ruhiger angehen. Für einen Ausflug nach Palma ließ das Team die Räder vorerst im Radkeller stehen. Lediglich Christian, Sven und Christoph hockten sich am späten Nachmittag für eine kurze Runde über Llucmajor, Randa und Santa Eugènia noch auf den Drahtesel. Nach 73 km und 777 hm war das Einrollen für Sven und Christoph beendet.

Christian begleitete Sven und Christoph beim Einrollen nach Randa

Christian begleitete Sven und Christoph beim Einrollen nach Randa

Tag 7:

Tag 7 – die Königsetappe! In voller Teamstärke und bei strahlendem Sonnenschein rollten die sechs Bergbeißer in Richtung Santa Maria del Cami, ehe es nach der Ortsdurchfahrt durch Selva erstmals ernst wurde. Nach einem kräftezerrenden Anstieg zum Coll de Sa Bataia (579 m) konnte das Team an der bekannten Tankstelle kurz durchschnaufen. Nach weiteren 2,5 km bergauf endete der Aufstieg 500 m vor der berühmten 270-Grad-Kurve am Coll dels Reis (728 m). Anschließend folgte eine 10 km lange und atemberaubend schöne Abfahrt in den Küstenort Sa Calobra. Einmal unten angekommen durfte das obligatorische Gruppenfoto ebenso wenig fehlen wie der traditionelle Mandelkuchen. Frisch gestärkt führte kein Weg daran vorbei, den erneuten Aufstieg zum Coll dels Reis (728 m) zu wagen. Von dort aus war es dann nicht mehr weit zum höchsten Punkt der Insel, dem Puig Major (880 m). Erneut wurden die Strapazen hinauf durch eine rasante Abfahrt nach Sollér nahezu vergessen gemacht. Über Dejà, Valldemossa und Esporles kehrten die Bergbeißer nach 175 km und 3400 hm erschöpft aber glücklich zurück nach Platja de Palma.

Die Königsetappe lockte die Bergbeißer in den Küstenort Sa Calobra

Die Königsetappe lockte die Bergbeißer in den Küstenort Sa Calobra

Tag 8:

Einen Tag nach der Königsetappe stand dann wieder eine lockere Etappe auf dem Programm. Das Highlight dieses Tages stellte sicherlich die Radrennbahn in Sieneu dar. Hier ließen sich die Bergbeißer die Chance auf ein paar Runden nicht nehmen. Der Rückweg über die Carretera dels Presos gestaltete sich als zermürbende Geduldsprobe gegen den Wind. In bester Zeitfahrmanier meisterte das Team den Kampf gegen den Wind. Nach 110 km und 700 hm wurde es dann nur an der Strandbar noch einmal so richtig stürmisch – verdient war es!

Das Highlight des Tages: Die  Radrennbahn in Sineu

Das Highlight des Tages: Die Radrennbahn in Sineu

Tag 9:

Eine der landschaftlich schönsten Touren erlebten die Bergbeißer an Tag 9. Zusammen mit zahlreichen anderen international besetzten Radteams ging es erst nach Santa Maria del Cami und weiter nach Esporles. Angetrieben von der angepriesenen Riesenpizza „sprintete“ das Team durch Puigpunyent hinauf nach  Galilea (491 m). Und Tatsache, dort wurden unsere Kilometerfresser von einer Zwischenverpflegung der Extraklasse erwartet. Auf eine rasante Abfahrt nach Calvià folgte der letzte Anstieg des Tages hinauf zum Coll de Sa Creu, ehe das Team zurück in Richtung Palma rollte. Das Trainingstagebuch: 105 km und 1300 hm.

Pizza, Pizza, wunderbar!

Pizza, Pizza, wunderbar!

Tag 10:

Nachdem Christian und Thomas leider wieder abreisen mussten und Christoph krankheitsbedingt einen Ruhetag einlegte, machten sich Lina, Lukas und Sven am 10. Tag auf den Weg in den hohen Norden. Die einzige Hürde auf dem Weg nach Port de Polenca stellte erneut der Coll de Sa Bataia (579 m) dar. Mit nun reichlichen Trainingskilometern in den Beinen und bei deutlich weniger Verkehr stellte das Trio hier noch einmal persönliche Bestzeiten auf. Nach einem Abstecher zum Kloster Lluc standen knapp 20 km Abfahrt auf dem Programm. In Port de Polenca angekommen testeten die drei erst einmal die Wassertemperaturen und genossen am Strand die wohltuenden Sonnenstrahlen. Alcúdia, Sa Pobla und Santa Maria del Cami waren die Stationen auf dem Rückweg. Am Ende des Tages zeigte der Tacho 151 km und 1300 hm an.

Entspannung am Strand

Entspannung am Strand

Tag 11:

Sven kannte den Coll de Sollér (496 m) noch nicht, also musste die Südrampe aus Richtung Bunyola kurz vor dem Ende des Trainingslagers noch einmal bezwungen werden. Am Gipfel angekommen schwärmte Sven von den gleichmäßig ansteigenden Serpentinen auf dem Weg nach oben – der Ausflug hatte sich gelohnt. Ebenso gelohnt hatte sich der Besuch einer Konditorei in Valldemossa – ein Insider-Tipp. Hier probierten Lina, Lukas und Sven erstmals Ensaïmada, eine leckere mallorquinische Spezialität. Mit vollen Mägen und 101 km sowie 1600 hm erreichte das Trio das Teamhotel.

Auf dem Marktplatz von Bunyola: Lukas, Sven und Lina

Auf dem Marktplatz von Bunyola: Lukas, Sven und Lina

Tag 12:

Den letzten Tag nutzten nur noch Lukas und Sven auf dem Rad. Auf direktem Weg steuerten die beiden den Puig de Randa (542 m) an. Auf ebenso direktem Weg ging es auch wieder zurück. Kurz und schmerzlos: 54 km und 700 hm.

Ein letztes Ausrollen

Ein letztes Ausrollen

Am Ende des BB-Trainingslagers konnten alle sechs Bergbeißer auf einige tolle Tage auf und neben dem Rad zurückblicken! An 12 Tagen spulten Lina und die Jungs 1339 km und 17047 hm ab.

Die Heatmap des BB-Trainingslagers

Die Heatmap des BB-Trainingslagers

Unvergessen – der P-Weg 2017

von |September 17th, 2017|

Unvergessen – der P-Weg 2017

Vor genau einer Woche lag ich zu dieser Zeit zwar völlig erschöpft, aber dennoch zufrieden und stolz auf dem Sofa. Nachdem der angespannte Oberschenkelmuskel mit Pferdesalbe, der leere Magen mit Energie und das verschmutzte Bike mit jeder Menge Wasser versorgt waren, konnte ich mich entspannt zurücklehnen. Bevor die aufkommende Müdigkeit Herr über meinen Körper wurde, spielten sich die zurückliegenden drei Tage noch einmal vor meinem inneren Auge ab. Auch wenn es für mich selbst erst am Samstagvormittag ernst werden sollte, packte mich das P-Weg Fieber schon am Freitagabend. Die Rennstrecke war bereits abgesperrt, unzählige Sportler tummelten sich mit ihren neon-gelben Starterbeuteln in der Stadt und die Moderatoren stimmten lautstark alle Besucher auf das Sportwochenende ein – der P-Weg hatte Plettenberg und auch mich fest in der Hand. Unbeirrt vom strömenden Regen machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt und jubelte am Streckenrand den jüngsten Teilnehmern entgegen. Denn traditionsgemäß gehörte der Freitagabend den Schülern und Jugendlichen, die in Laufschuhen oder auf dem Rad auf Rundenjagd gingen. Aus Bergbeißer-Sicht durften wir uns schon zum Auftakt über die eine oder andere Spitzenplatzierung des Nachwuchses freuen. An dieser Stelle also schon einmal Glückwunsch! Ihr habt uns eindrucksvoll vorgemacht, wie man dem schlechten Wetter mit viel Freude und Ehrgeiz trotzen kann.

Schon am Freitagabend befindet sich Plettenberg im Ausnahmezustand

Schon am Freitagabend befindet sich Plettenberg im Ausnahmezustand

Nachdem alle Starter wohl behalten das Ziel erreicht hatten, die letzte Portion Pasta verspeist war und der erste Durst mit „alkoholfreiem“ Weizen gestillt war, machte auch ich mich an die Vorbereitungen des bevorstehenden Halbmarathons. Vorbereitungen sollte in meinem Falle bedeuten: Schuhe rausstellen und ab ins Bett! Zur Erledigung des Restes musste der Wecker am nächsten Tag eben eine halbe Stunde früher klingeln. Am Samstagmorgen sollte der P-Weg dann auch den letzten Bergbeißer in verschiedenen Konstellationen in seiner Hand haben. Hier einmal vier exemplarische Möglichkeiten, wie ein Samstagmorgen eines Bergbeißers aussehen kann:

  • Als Bergbeißer lässt man das gewohnte blau-orangene BB-Outfit im Kleiderschrank, schmeißt sich stattdessen in die P-Weg Helferkluft und macht sich auf den Weg nach Ehlhausen, um dort beim Aufbau des Verpflegungsstandes zu helfen. Ist das Zelt erst einmal aufgestellt, die Bierzeltgarnituren positioniert und alle Kuchen angeschnitten, heißt es Warten – Warten auf den ersten Läufer der Langdistanz. Von nun an wird das Ganze zum Selbstläufer. Alle Teilnehmer werden bestmöglich mit Energienachschub, Motivation und Hinweisen unterstützt!
Am Verpflegungsstand der Bergbeißer gab es für die Teilnehmer neben Regen vor allem jede Menge Engergienachschub und Motivation

Am Verpflegungsstand der Bergbeißer gab es für die Teilnehmer neben Regen vor allem jede Menge Engergienachschub und Motivation

  • Als Bergbeißer wechselt man die Seite und steht nicht hinter dem Verpflegungsstand, sondern läuft vielmehr an diesem vorbei. So z.B. Christiane und Tochter Catharina, die als Marathonwanderer an den Start gingen. Viel Zeit ließen sich die Beiden beim Passieren des teaminternen Verpflegungsstandes nicht. Anders ist die Tatsache nicht zu erklären (so viel sei an dieser Stelle vorweg genommen), dass Catharina nach 7:40 Stunden den Altersklassensieg (WJ A) ergattern konnte.
Catharina und Christiane fieber ihrem P-Weg Start entgegen

Catharina und Christiane fieber ihrem P-Weg Start entgegen

  • Als Bergbeißer sitzt man am frühen Samstagmorgen bereits im Auto, um weite Anreisen aus Bayern, der Schweiz oder Frankreich anzutreten. Was tut man nicht alles, um einmal im Jahr Teil dieses großen Events zu werden…
  • Als Bergbeißer bleibt man noch eine Stunde länger im Bett liegen, um sich dann aber umso vorbereiteter kurz vor dem Start der Halbmarathondistanz in der Innenstadt einzufinden.
Torben, Sven und Berit sind vor dem Start guter Dinge

Torben, Sven und Berit sind vor dem Start guter Dinge

Neben Christiane und Catharina waren in diesem Jahr am Samstag ein Dutzend weitere Bergbeißer am Start. Für Dagmar, Elke und Stefan (Walker) sowie Berit, Frank, Simon, Laurent Pierre, Michael, Marc, Torben, Christian und meine Wenigkeit (Läufer) ging es um 10:30 Uhr unter leichtem Nieselregen auf die 21 km lange Strecke. Von den genannten Bergbeißern war es insbesondere Christian, der gleich vom Start weg so los lief, als hätte er am Nachmittag noch wichtige Termine zu erledigen. Ich selbst versuchte gar nicht erst, Christians Tempo in Ansätzen mitzugehen und versuchte meinen eigenen Rhythmus zu finden. Im Startblock vor Torben gestartet war ich mir sicher, dass jener Torben nicht lange auf sich warten ließ um zu mir aufzuschließen. In Landemert war es dann so weit. Torben begrüßte mich mit einem freundlichen „Jetzt habe ich dich endlich“. Fortan waren wir uns aber einig, dass geteiltes Leid halbes Leid ist und wir somit beide davon profitieren würden, den Bärenberg gemeinsam in Angriff zu nehmen. Bis dato muss ich sagen lief es wirklich gut. Die befürchteten Blasen, die ich beim erst zweiten Lauf in neuen Schuhen zu erwarten hatte, blieben aus.

Trotz Anstrenungen: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Trotz Anstrengungen: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Nicht zuletzt waren es aber vor allem wieder die zahlreichen Zuschauer, die über so manche schmerzhafte Erfahrung hinweg trösteten. Wahnsinn Plettenberg, wo zauberst du selbst bei diesem Sauerländer Mistwetter die ganzen Verrückten her, die nicht etwa auf, sondern neben der Strecke an ihre Leistungsgrenzen gehen? Ich kenne kein anderes Rennen, bei dem man den Faktor Zuschauer Hot-Spots so sehr in die eigene Renntaktik einbeziehen muss. Denn welcher Läufer gibt sich schon die Blöße und zeigt Schwäche, wenn an den steilsten Anstiegen in Landemert oder am Tanneneck hunderte Zuschauer Spalier stehen? Beim P-Weg heißt das: Vorher rausnehmen, durchschnaufen und dann mit Vollgas in das geballte Euphoriebecken eintauchen. Ich selbst tauchte vielleicht etwas zu lange ab, denn kurz nach der Verpflegungsposition am Tanneneck musste ich Torben ziehen lassen. Der Junge hatte tatsächlich einen goldenen Tag erwischt. Ohne größere Probleme meisterte ich die letzte glitschige aber durch das P-Weg Team großzügig gekennzeichnete Trailpassage und erreichte nach 1:57 Stunden das Ziel am Alten Markt. Dort erwarteten mich bereits Torben (1:56 Stunden) und Christian (1:48 Stunden). Puh, anstrengend, aber geil!

Marc, Christian, Torben und Sven haben den Halbmarathon erfolgreich gemeistert

Marc, Christian, Torben und Sven haben den Halbmarathon erfolgreich gemeistert

Auch alle anderen Bergbeißer ließen nicht lange auf sich warten. So auch Berit, die bis kurz vor dem Start mit ihrer Teilnahme haderte und dann trotz krankheitsbedingter Trainingspausen im Vorfeld den Halbmarathon erfolgreich finishte. Die Arbeit war also getan, für das erste jedenfalls. Denn für Frank, Laurent Pierre, Christian und mich sollte im Rahmen der Kombiwertung am Sonntag noch der Bike-Marathon auf dem Programm stehen. Dementsprechend gemütlich ließen wir es am Nachtmittag angehen, ehe wir uns am Samstagabend mit einigen anderen Bergbeißern zur obligatorischen Pastaparty wieder in der Stadt versammelten. Zu diesem Zeitpunkt stießen dann auch die auswärtigen Bergbeißer dazu. Gemeinsam legten wir bei dem einen oder anderen isotonsichen Getränk zusammen mit Teamchef Holger eine Renntaktik für das MTB-Rennen fest oder feierten die Läufer, die ihre Sache mit Bravour hinter sich gebracht hatten.

Der Sonntagmorgen verläuft für Teilnehmer gewohnt etwas hektischer ab als noch der Morgen zuvor. Hier und da ist eben doch noch etwas Schrauberei am Rad notwendig. Auf dem Weg zum vereinbarten Bergbeißer-Treffpunkt sammelte ich Katja, Martin, André und Keke ein. An der „Bergbeißer-Sammelstelle“ angekommen bot sich das gewohnte Bild. Eine Gruppe diskutiert die richtige Kleiderwahl, ein Starter gibt seine Siegesambitionen preis und ein anderer philosophiert über den noch so schlechten Trainingszustand – nichts neues also. Doch eines haben alle Starter gemein – die Anspannung vor dem Startschuss ist deutlich spürbar.

Unserer Langstreckler sind startbereit

Unserer Langstreckler sind startbereit

Traditionell schicken wir die Langstreckler in den ersten bissigen Anstieg hinauf zur Sehnsuchtsbirke und nutzen die Zeit für ein Teamfoto.

Das traditionelle Teamfoto durfte auch in diesme Jahr nicht fehlen

Das traditionelle Teamfoto durfte auch in diesme Jahr nicht fehlen

Kurz nachdem der letzte Blitz der Fotokamera erloschen war, schwärmen die Biker aus – so auch in diesem Jahr. Während sich die „Verrückten“ bereits auf der Strecke befanden, fieberten wir 26 Kurzstreckler dem Rennen im Startblock entgegen. 26 plus 4 mal Mitteldistanz (74 km) plus 4 mal Langdistanz (93 km) macht in Summe 34 Bergbeißer auf den Bikestrecken. Ich selbst konnte beim Start Parallelen zu den ersten Metern am Vortag ziehen. Während Simon, vergleichbar zu Christian am Vortag, schnell einige Meter zwischen uns bringen konnte, saßen mir weitere schnelle Bergbeißer im Nacken. Zusammen mit Steve, alias Clown Stielou, brachte ich die ersten beiden Anstiege hinauf zur Sehnsuchtsbirke und zur Hohenwibbecke hinter mich. Zwar hatten wir uns in der Rennhektik zwischenzeitlich aus den Augen verloren, doch irgendwie fanden wir immer wieder zusammen.

Am Hinterrad von "Stielou" erklimme ich den ersten Anstieg

Am Hinterrad von “Stielou” erklimme ich den ersten Anstieg

Für die Begeisterung der Zuschauer gilt am P-Weg Sontnag das Gleiche wie am Samstag. Auf dem Weg zur Sehnsuchtsbirke kommt Tour de France Feeling auf, am ersten Verpflegungsstand spendet jeder Motivationsruf der Helfer mehr Energie als ein Becher Cola und die Trommler der Himmelsstürmer können mitten im Wald für so manchen emotionalen Ausbruch sorgen. Der Grat zwischen „Warum tue ich mir diese Sch… an“ und „das ist mein glücklichster Moment des Jahres“ ist beim P-Weg verdammt schmal. Doch zurück zum Renngeschehen. Auf der Abfahrt durch die Blemke wurde der Bergbeißer-Express durch Cedrik ergänzt. Ich musste mich auf dem MTB verdammt klein machen um weiter an Cedrik dranbleiben zu können. Mit einem Tempo jenseits der 65 km/h bogen wir auf den Streckenabschnitt „Radweg“ ein. Schnell durch den Vorgarten des Altersheim geschlängelt und die Gerüstbrücke an der Waterkant überquert, machten wir uns auf den Weg in Richtung Teindeln.

Der Bergbeißer-Express um Cedrik, Sven und Steve nimmt Fahrt auf

Der Bergbeißer-Express um Cedrik, Sven und Steve nimmt Fahrt auf

Mit Lokalmatador Paul Schmidt (RSC Plettenberg), der ultraschnellen Beate Schuschke (MTB Rocker) und einem weiteren Biker jagten wir über den Radweg. An dieser Stelle sorgte vor allem Paul mit seinen Triathlon-Qualitäten dafür, dass wir in Zeitfahr-Manier keine unnötigen Sekunden liegen ließen. Gerne hätte ich Paul in der Führungsarbeit einmal abgelöst, doch schon das Halten seines Hinterrades brachte meinen Puls in ungewohnte Spitzen. Und so entschied ich mich beim Anstieg in Richtung Selscheid schweren Herzens dazu, Beate und die Jungs einfach fahren zu lassen. Einzig Steve blieb – auch dank des auffallenden Auftretens als Clown – in Sichtweite. Bis zum Grävinglöh hatte ich dann alle meine Körner verschossen. Naja, weit war es ja nicht mehr, also Zähne zusammenbeißen und durch!

Der P-Weg: Ein Event für alle!

Der P-Weg: Ein Event für alle!

Kurz vor der Hohen Molmert, wo eine Zuschauergruppe um Steffen Reeder (Danke für die Bilder!) mit dem Banner „Jetzt geht´s bergab“ für den finalen Motivationsschub sorgte, konnte Andreas zu mir aufschließen, mich überholen und letztlich stehen lassen. Woher Andreas zu diesem Zeitpunkt des Rennes noch so einen Punch nahm… ich weiß es nicht.

Andreas hatte bis zuletzt mächtig Druck auf den Pedalen

Andreas hatte bis zuletzt mächtig Druck auf den Pedalen

Krampfgeplagt brachte ich den sonst so geliebten Single-Trail hinter mich. Unterwegs musste ich dabei leider Steve und ein paar Meter später auch Paul am Streckenrand mit einem Defekt wahrnehmen. Oberschenkelkrämpfe sorgten dann auch auf den wirklich letzten Metern durch die Innenstadt dafür, dass der endgültige Druck auf die Pedale ausblieb. Egal, der Schwung reichte, um trotzdem über die Ziellinie rollen zu können. Der Kräfteverschleiß machte sich dann auch im Interview mit P-Weg Moderator Carsten Bock auf der Bühne bemerkbar. Sorry Carsten, im nächsten Jahr antworte ich hoffentlich ausführlicher. Bepackt mit Finisher Shirt, Medaille, Streuselkuchen und Weizenbier schlenderte ich durch den Zielbereich und ließ mir die Erlebnisse der Teammitglieder schildern. Die schnellsten drei Bergbeißer auf der Kurzstrecke hießen Simon (2:09 Stunden), Cedrik (2:12 Stunden) und Andreas (2:17 Stunden). Bei mir blieb die Stoppuhr nach 2:17 Stunden stehen. Ein wahres Feuerwerk zündeten unsere Langstreckler ab. Katja konnte die Gesamtwertung der 74 km Distanz gewinnen (4:42 Stunden).

Die Bergbeißer Keke und André hinterließen auf der Langdistanz einen bärenstarken Eindruck

Die Bergbeißer Keke und André hinterließen auf der Langdistanz einen bärenstarken Eindruck

Auf dem Podium der Langdistanz (93 km) sorgten Keke (3:52 Stunden – Gesamtplatz 2) und André (4:07 Stunden – Gesamtplatz 3) für eine Bergbeißer Dominanz. Alexander Gläser (Mondraker Rockets) sicherte sich mit nur 13 Sekunden Vorsprung vor Keke den Spitzenplatz. Bergbeißer Ulrich erreichte einen starken 9. Gesamtrang (4:15 Stunden – Platz 2 in der Altersklasse Sen 3).

Bergbeißer Uli ist seit Jahren Stammgast auf dem P-Weg Podium

Bergbeißer Uli ist seit Jahren Stammgast auf dem P-Weg Podium

Neben den Podiumsplätzen feierten wir auf der After-Race-Party im „Plettenberger“ vor allem das Finish aller Teilnehmer. Trotz schwieriger Bedingungen konnten alle Bergbeißer unversehrt das Ziel erreichen. An dieser Stelle gilt der Dank noch einmal an alle zum größten Teil ehrenamtlichen Helfer, die uns die Teilnahme an einem so außergewöhnlichen Event erst ermöglichen. Danke Euch! Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

Fotos: Süderländer Tageblatt (1), Stadtmarketing Plettenberg (1), Privat (12)

Auf der Euphoriewelle zum RaR-Gesamtsieg

von |August 2nd, 2017|

Auf der Euphoriewelle zum RaR-Gesamtsieg

Die insgesamt 8. Teilnahme auf einer längst bekannten Strecke in bewährter und eingespielter Teamzusammenstellung – was sollte Rad am Ring 2017 da noch Unerwartetes hervorbringen? So einiges, das sei schon einmal gesagt! Doch steigen wir erst einmal langsam in die Story ein und beginnen beim Gewohnten: Die Anreise! Aus alter Tradition treffen sich Björn, Thomas und Sven am Freitagvormittag im Sauerland, um von dort aus vollgepackt mit allem, was man auch zum Auswandern benötigen würde, in die Eifel aufzubrechen. Nach einem ebenso ritualisierten Kaffee-Zwischenstopp an der Raststätte Aggertal war der Ring zum Greifen nah. Premiere Nr. 1: Eine Anreise ohne Stau. Ja sehr gut, das Wochenende sollte unter einem guten Stern stehen. Auch in Sachen Wetter waren wir auf dem richtigen Weg. Ein ganzes Wochenende Sonnenschein in der Eifel – na das ist ja schon fast wie ein 6er im Lotto. Dementsprechend guter Dinge und bestens gelaunt kamen wir am Freitagnachmittag zusammen mit hunderten weiteren Radsportverrückten am Nürburgring an.  Drei der angesprochenen Radsportverrückten nahmen uns auf unserer Stammparzelle herzlich in Empfang: Lina, Lukas und Martin waren erst wenige Minuten vor uns angekommen.

Der Start ins Wochenende wird mit Gegrilltem und Weizenbier gefeiert

Der Start ins Wochenende wird mit Gegrilltem und Weizenbier gefeiert

Mit vereinten Kräften richteten wir unser imposantes und von Jahr zu Jahr professioneller ausgestattetes Lager ein. Zelte und Pavillons waren ebenso schnell aufgebaut wie der für den Freitagabend überlebenswichtige Grill. In entspannter Atmosphäre genossen wir die wohltuenden Sonnenstrahlen bei mageren Putensteaks, frischen Salaten und isotonischen Kaltgetränken. Wohl vom Grillgeruch angelockt gesellte sich am frühen Abend auch Berit in unsere illustre Runde.

Grillmeister Lukas hat die Versorgung der hungrigen Teammitglieder fest im Griff

Grillmeister Lukas hat die Versorgung der hungrigen Teammitglieder fest im Griff

Was macht man an so einem Abend, dem Abend vor der großen Quälerei? Zurückblickend ist man damit beschäftigt, Sturmschäden am Zelt zu reparieren, durchnässte Klamotten mittels Heizofen in den Ursprungszustand zu bringen oder die von Löchern bespickte Luftmatratze zu flicken. Am Freitag war alles anders. Das Lager war besser und schneller eingerichtet denn je, das Essen mitsamt gesponserten Nudelsalaten schmeckte köstlich und die Vorfreude auf den Startschuss lag förmlich in der Luft. Einzig die zehn fehlenden Hühnereier, die für das Rührei am nächsten Morgen vorgesehen waren, bereiteten Kopfschmerzen. Nachdem wir für alle die Startunterlagen abgeholt hatten und die eine oder andere Anekdote der letzten Jahre ausgetauscht hatten, läuteten wir die Nachtruhe ein. Auf das Öffnen der Augen folgte am Samstagmorgen gegen sieben Uhr der für den Ring übliche Kontrollcheck: Innenwände Zelt trocken? Check! Strom vorhanden? Check! Blauer Himmel? Check! Wahnsinn, so gut lief es noch nie. Mit der aufgehenden Sonne trafen schließlich auch Elisa und Christian auf der Grand Prix Strecke ein. Traditionell ist Christian als Frühstücksminister für das leibliche Wohl der Bande verantwortlich. Spätestens als der Wahl-Österreicher die 10 vermissten Hühnereier aus dem Hut zauberte, lagen ihm alle Bergbeißer zu Füßen. So gemütlich wie der Freitagabend endete, startete der Samstagmorgen mit einem ausgiebigen Frühstück. Mit der Ankunft von Astrid und Oliver war das Team komplettiert.

Das RaR-Team: Christian, Sven, Björn, Lukas, Oliver, Thomas, Astrid, Lina (stehend v.l.n.r), Berit, Martin und Elisa (sitzend v.l.n.r.)

Das RaR-Team: Christian, Sven, Björn, Lukas, Oliver, Thomas, Astrid, Lina (stehend v.l.n.r), Berit, Martin und Elisa (sitzend v.l.n.r.)

Kurz zur Übersicht: Wir haben am Wochenende drei Bergbeißer-Teams auf dem Rennrad durch die Grüne Hölle geschickt. Astrid und Lina stellten sich der Frauen-Konkurrenz der 2er Teams, Oliver und Lukas taten selbiges bei den Männern und Björn, Christian, Thomas und Sven nahmen es mit den 4er Teams auf sich. Berit, Elisa und Martin füllten den letztendlich wichtigsten Part des Wochenendes aus und erledigten 90 Prozent der anfallenden Arbeit. Während unsere „Radler“ lediglich einigermaßen zügig in die Pedale treten mussten, kümmerte sich das Support-Trio um alle weiteren anstehenden Aufgaben. Sie fungierten als Mechaniker, Fotografen, Physiotherapeuten, Köche, Entertainer, Motivatoren oder Manager – einfach klasse diese Unterstützung.

Letzte Reparaturen am Bike vor dem Start

Letzte Reparaturen am Bike vor dem Start

Nachdem bis dato alles so reibungslos lief, sollte kurz vor dem Start dann doch noch etwas Hektik aufkommen. Insbesondere letzte Reparaturen am Rad sollten den geregelten Ablauf noch einmal durcheinander bringen. Doch auf die letzte Sekunde waren alle Bergbeißer startklar. Oliver, Astrid und Björn übernahmen jeweils den Part des Startfahrers und schlängelten sich im Renntempo durch die Grüne Hölle. Nach nicht einmal annähernd einer Stunde war das Trio wieder am Teamlager angekommen.

Lukas und Lina warten gespannten auf Ihren Einsatz

Lukas und Lina warten gespannten auf Ihren Einsatz

Folglich übernahmen Lina, Lukas und Christian die Staffelstäbe. Auch die Drei meisterten Ihre jeweils erste Runde im Eiltempo. Während dann schon wieder Astrid und Oliver in die Pedale treten mussten, komplettierten Sven und Thomas die Runde 3 und 4 für das 4er Team.Die Startphase war überstanden und innerhalb des gesamten Teams ebbte die Euphorie nicht ab. Die Beine waren noch frisch, die Sonne sorgte für die Rennfahrerbräune und dank des großartigen Supports im Lager sollte auch während der Ruhephasen kein Wunsch unerfüllt bleiben. Bis in die Abenddämmerung sorgten insbesondere unsere beiden 2er Teams für Furore. Mit konstanten Rundenzeiten um die 55 Minuten (Mädels) und unglaublichen 47 Minuten (Jungs) waren die Augen klar auf einen Podiumsplatz gerichtet. Auch das 4er Team überzeugte in einer starken Konkurrenz mit ehemaligen Radprofis wie Rene Haselbacher oder Paul Voß und räumte den einen oder anderen persönlichen Rundenrekord ab.

Daumen hoch für die Startphase

Daumen hoch für die Startphase

Der Bergbeißer-Express nahm also Fahrt auf und schien nicht zu bremsen. Doch, die Bremse schlug ein, und zwar wie… um kurz nach 8 Uhr klingelte Lukas Handy. Oliver war in der Leitung, der sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich im steilen Anstieg hinauf zur Hohen Acht befinden sollte und dabei an alles andere als an Telefonieren denken sollte. Kurz und knapp schilderte Oliver: „Rahmenbruch, das war´s!“ Die große Euphorie war vorbei, Resignation und vor allem Sorge machte sich breit. Umso größer dann die Erleichterung, dass Oliver zwar mit einem zerstörten Rahmen, selbst aber unversehrt aus einem Service-Wagen stieg. In der schnellen Kurvenpassage hinunter nach Adenau tat es einen stumpfen Knall und der Rahmen erreichte bei Tempo 85 km/h sein Lebensende. Nur der schnellen Reaktion von Oliver und einem hellwachen Schutzengel war es zu verdanken, dass das Rad samt Fahrer ohne unfreiwilligen Bodenkontakt zum Stehen kam. Lediglich eine kleine Schürfwunde, die sich Oliver an der scharfen Bruchstelle einholte, zierte von dem Schreckmoment. Dem Renner war dagegen schnell anzusehen, dass er für das 24h Rennen am Nürburgring und auch für weitere Ausfahrten nicht mehr zur Verfügung steht. Für Oliver und Lukas blieb fortan nur noch die Zuschauerrolle. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Beiden auf einem aussichtsreichen 2. Gesamtplatz. Doch nachdem der erste Schock überstanden war, war das Duo schon wieder zu Scherzen aufgelegt. Zusammen mit Berit, Elisa und Martin setzten Oliver und Lukas nun alles daran, den Support für das 2er und das 4er Team zu bündeln.

Lina und Lukas sind froh, den Anstieg hinaus zur Hohen Acht hinter sich gebracht zu haben

Lina und Lukas sind froh, den Anstieg hinaus zur Hohen Acht hinter sich gebracht zu haben

Astrid und Lina starteten als Führungsduo in die Nacht und auch Björn, Christian, Sven und Thomas waren weit von Rundenzeiten über einer Stunde entfernt. In Anbetracht des guten Wetters schlugen die Fahrer ihr Nachtlager unter freiem Himmel auf. Eingemuckelt im Schlafsack verfolgten die Akteure vom Gartenstuhl aus das Treiben auf der Rennstrecke. Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle, sodass Sven zusammen mit Lukas den Sonnenaufgang in der Eifel begrüßte. Im Formationsflug rasten die beiden über den Ring und genossen die Fahrt in den Morgen hinein. Auch die Rundenzeiten sollten sich mit dem angebrochenen Tag wieder verbessern. Währenddessen übernahm Martin den Posten des Frühstücksministers und versorgte alle Teammitglieder mit dem nötigen Koffeinnachschub. Zu diesem Zeitpunkt bauten Lina und Astrid ihren Vorsprung in der Gesamtwertung auf nun schon zwei Runden weiter aus. Die erfahrenen Nordschleifen-Hasen um Björn, Christian, Sven und Thomas sicherten ihren Platz im ersten Viertel der 4er Teams.

Noch einmal den Tacho nullen und ab in die Grüne Hölle

Noch einmal den Tacho nullen und ab in die Grüne Hölle

Die gute Atmosphäre im Team und der Einsatz aller für jedes einzelne Teammitglied trösteten über das frühe Ausscheiden von Oliver und Lukas hinweg. Vielmehr setzte am Sonntagvormittag eine Jetzt-erst-recht-Stimmung ein. Auch der stärker aufkommende Wind, insbesondere als Gegenwind auf der Döttinger Höhe deutlich spürbar, machte den Bergbeißern keinen Strich mehr durch die Rechnung. Der komfortable Vorsprung der Mädels erlaubte zum Abschluss sogar noch eine Ehrenrunde.

Beim letzten Wechsel blieb sogar noch Zeit für ein Teamfoto, ehe Lina, Lukas, Sven und Christian die Schlussrunde einläuteten

Beim letzten Wechsel blieb sogar noch Zeit für ein Teamfoto, ehe Lina, Lukas, Sven und Christian die Schlussrunde einläuteten

Nachdem Björn und Thomas noch einmal Top-Rundenzeiten in den Asphalt meißelten, machten sich Sven und Christian zusammen mit Lukas und Lina auf die Schlussrunde – und diese wurde zelebriert, so viel sei gesagt. Christian und Sven loteten noch einmal aus, was bergab mit Windschatten und jeder Menge Motivation für Spitzengeschwindigkeiten möglich sind. Am Verpflegungsstand im Streckenabschnitt Bergwerk wurde standesgemäß auf den Gesamtsieg der Mädels angestoßen. Leider nicht wie Froome und Co mit Sekt, aber immerhin mit einem erfrischenden Iso-Drink. Am sonst so verfluchten Anstieg hinauf zur Hohen Acht blieb sogar Zeit und Luft für Fotos und auch der Verpflegungsstand am höchsten Punkt der Nordschleife wurde erstmals angesteuert. Mit einer deftigen Mettwurst im Magen steuerte das Quartett dem Ziel entgegen.

An der Hohen Acht gönnten sich die Bergbeißer zum Abschluss noch eine deftige Mettwurst

An der Hohen Acht gönnten sich die Bergbeißer zum Abschluss noch eine deftige Mettwurst

Auf der Zielgeraden standen die anderen Teammitglieder in freudiger Erwartung. Gemeinsam überquerten alle drei Teams der Bergbeißer die Ziellinie. Die 24h waren überstanden! Pure Erleichterung und der eine oder andere emotionale Ausbruch machten sich breit. Es war geschafft, und wie?!

Lina (l.) und Astrid dürfen sich bei der Siegerehrung für den Gesamtsieg feiern lassen

Lina (l.) und Astrid dürfen sich bei der Siegerehrung für den Gesamtsieg feiern lassen

Lina und Astrid räumten in souveräner Manier die Gesamtwertung der 2er Frauen Teams ab und Björn, Christian, Sven und Thomas spulten die noch im Vorjahr verpassten 25 Runden ab und belegten am Ende den 153. Platz aller 580 4er Männer-Teams. Lukas und Oliver setzten der Anfangsphase des Rennens ihren Stempel auf und sorgten dafür, dass der Konkurrenz für das nächste Jahr angst und bange werden kann. Im nächsten Jahr wollen alle acht Bergbeißer wieder angreifen. Und wer weiß, vielleicht wechselt dann auch der eine oder andere Supporter die Seiten und steigt mit aufs Rad.

Wir sehen uns 2018, auf und neben der Strecke!

Gemeinsam rund um die Bigge

von |Juli 25th, 2017|

Gemeinsam rund um die Bigge

Es ist eine wohlgefeierte Tradition: Einmal im Jahr treffen sich die Bergbeißer zum Kick-Off! Ebenso hat es fast schon Tradition, dass dieses Kick-Off – der eigentliche Aufgalopp zur neuen Saison – vielmehr mitten im Sommer stattfindet. Ein Problem hat damit niemand. Vielmehr freuten sich die Bergbeißer auch in diesem Jahr wieder über bestes Sommerwetter. Grandiose Bedingungnen also, um sich auf einer gemeinsamen MTB-Tour auszupowern. Und so trafen sich am vergangenen Samstag rund 25 Bergbeißer am Yacht-Club Lister, um von dort aus auf dem MTB und vereinzelt auch auf dem Rennrad oder in Laufschuhen die schönen Seiten des Sauerlandes zu erkunden.

Aufstellen zum Gruppenfoto und dann schnell rauf aufs Rad

Aufstellen zum Gruppenfoto und dann schnell rauf aufs Rad

Für die Mountainbiker führte die Tour über den Biggedamm hinauf zum ersten Höhepunkt des Tages. Höhepunkt sollte in diesem Sinne auch wörtlich genommen werden. Tourguide Matrin schickte seine Schäfchen die knackige Rampe hinauf zur Aussichtsplattform “Biggeblick”. Nach Bewältigung des Anstieges, konnten die Bergbeißer auf der Plattform einen atemberaubenden Ausblick auf die Talsperre, die Gilberginsel, die Burgruine Waldenburg und die umliegenden Wälder genießen.

Die Aussicht vom Biggeblick zählte zu den Höhepunkten der Tour

Die Aussicht vom Biggeblick zählte zu den Höhepunkten der Tour

Das nächste Highlight der Tour sollte nicht lange auf sich warten. Die Burgruine Waldenburg lud zur nächsten Pause des Tages ein. Insbesondere unsere auswärtigen Bergbeißer zeigten sich von der Gegend begeistert und nutzten die Gelegenheit für ein schnelles Erinnerungsfoto.

Die Burgruine Waldenburg lud zu einem nächsten Zwischenstopp ein

Die Burgruine Waldenburg lud zu einem nächsten Zwischenstopp ein

Über Bürberg und Sondern führte die Tour weiter nach Uelhof und schließlich wieder zurück zum Yacht-Club Lister. Dort warteten bereits die Rennradler und Läufer. Bei dem einen oder anderen Kaltgetränk, Köstlichkeiten vom Grill sowie Kaffee und Kuchen ließen die Bergbeißer den Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen.

 

Bergbeißer mit akutem Tour-Fieber

von |Juli 8th, 2017|

Bergbeißer mit akutem Tour-Fieber

Das Wochenende um den 1. und 2. Juli 2017 – im Terminplaner ebenso fix datiert wie Weihnachten oder Ostern. Wenn die Tour de France in Deutschland vorbeischaut und dann auch noch zum großen Auftakt in das Rheinland einlädt, dann ist das nicht nur für eingefleischte Radsportfans ein Pflichttermin. Und so stand es außer Frage, dass sich am vergangenen Wochenende auch einige Bergbeißer auf den Weg zum Grand Depart in Düsseldorf machten. Die deutschen Asse wie Martin, Kittel, Greipel oder Geschke quasi direkt vor der Haustür hautnah in Aktion erleben zu können – diese Chance ließen wir uns nicht nehmen. Nach Anreisen mit dem Auto, der Bahn oder wie man es standesgemäß erwartet, dem Rad, trafen wir uns zum Prolog am Rheinufer.

Christian, Sven, Lina, Lukas und Thomas (v.l.n.r.) fieberten dem Torstart in Düsseldorf gespannt entgegen

Christian, Sven, Lina, Lukas und Thomas (v.l.n.r.) fieberten dem Torstart in Düsseldorf gespannt entgegen

Schon lange bevor der erste Fahrer die Startrampe hinunterrollte, war dieses gewisse Kribbeln unter den Zuschauern zu spüren. Fasziniert verfolgten wir am Streckenrand die stimmungsvolle Werbekarawane, die beim Radsport-Neuling eher Erinnerungen an die karnevalistische Zeit aufkommen ließ. Pünktlich mit dem sportlichen Startschuss setzte schließlich der angekündigte Regen ein. Dass dieser der guten Stimmung in der gesamten Stadt aber einen Abbruch tat, war faszinierend und mitreißend zugleich. Zusammen mit dem bis dato unbekannten Nachbarn unter einen Schirm und dann gemeinsam die Jungs auf der Strecke anfeuern – das macht die Tour zu etwas besonderem. In kurzen Zeitabständen rasten die Profis an uns vorbei. In den Zwischenzeiten informierten wir uns über eine große Leinwand an der Strecke über die aktuellen Zwischenstände oder beobachteten belustigt eine Gruppe von fröhlichen Stimmungsmachern aus England.

Trotz des Regens schafften es zahlreiche Zuschauer an die Strecke

Trotz des Regens schafften es zahlreiche Zuschauer an die Strecke

Natürlich sehnten wir alle dem Start von Tony Martin entgegen, dem wir den Tagessieg mehr als gegönnt hätten. Am Ende hatte es leider nicht sollen sein und trotzdem zogen wir am Ende alle unseren Hut bzw. Helm vor den Leistungen der Jungs.

Konzentriert verfolgten die Bergbeißer das Renngeschehen

Konzentriert verfolgten die Bergbeißer das Renngeschehen

Begeistert von den vielen positiven Eindrücken des ersten Tour-Tages stand außer Frage, dass wir auch am Sonntag die Chance nutzen wollen, um die Tour ein zweites Mal hautnah miterleben zu können. Insbesondere Lina, Lukas und Thomas hatten sich vorgenommen, dieses große Radsport-Event so intensiv wie möglich wahrzunehmen. Kurzerhand traf sich das Trio am Sonntagmorgen in Düsseldorf, um von dort die originale Route mit dem Rad in Angriff zu nehmen. Als Ziel hatten sich die Drei Aachen gesetzt. Auf der abgesperrten Strecke führte der Weg schnell nach Mönchengladbach, wo neben der Sprintwertung auch Sven mit Streuselkuchen wartete. Schnell ein Foto gemacht und weiter ging die Reise.

In Mönchengladbach konnte sich Lukas auf seinen Sprintzug um Lina und Thomas verlassen und die Punkte ungefährdet einsammeln

In Mönchengladbach konnte sich Lukas auf seinen Sprintzug um Lina und Thomas verlassen und die Punkte ungefährdet einsammeln

Über Wickrath, Jackerath, Jülich und Aldenhoven führte der Weg letztendlich in die Kaiserstadt. Dort angekommen berichtete das Trio von einer unglaublichen Stimmung an der Strecke. Obwohl die Werbekarawane und das Peleton zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht in Sicht waren, drängten sich zahlreiche Zuschauer an die Strecke und feuerten jeden einzelnen Hobbyfahrer an – so auch unsere drei Bergbeißer. Auf dem Aachener Markt angekommen, nahm das Interesse für den Sonntagsausflug der besonderen Art nicht ab. Kurzerhand wurden die Drei im Rahmen eines Fernseh-Interviews nach den Erlebnissen von unterwegs gefragt.

Gewohnt professionell: Lukas im Interview mit den Aachener Nachrichten

Gewohnt professionell: Lukas im Interview mit den Aachener Nachrichten

Auch in Aachen zeigte der Wettergott kein Erbarmen mit den Radprofis. Kurz nach der Durchfahrt der Werbekarawane und vor dem Auftritt des Peletons setzte ein hartnäckiger Regenschauer ein. Doch wie schon am Tag zuvor in Düsseldorf ließen sich auch die Zuschauer in Aachen den Spaß nicht verderben. Dicht an dicht drängten die zahlreichen Besucher an die Streckenbegrenzung, um einen möglichst guten Blick zu erhaschen.

Bilder, die in Aachen an Rosenmontag erinnern

Bilder, die in Aachen an Rosenmontag erinnern

Wiederum anders als am Vortrag, als noch ein Zeitfahren auf dem Programm stand, dauerte es am Sonntag nur wenige Sekunden, bis alle Fahrer an einem vorbeisausten. Und trotzdem, der Ausflug nach Aachen sowie die Streckenerkundung im Vorfeld hatten sich allemal gelohnt. Die Erinnerungen an ein unvergessenes Wochenende werden noch lange bleiben und sicher bei so mancher Trainingsfahrt zum Gesprächsthema.

Dieses Wochenende wird den Bergbeißern in bester Erinnerung bleiben

Dieses Wochenende wird den Bergbeißern in bester Erinnerung bleiben

 

Nach der Unterbrechung war die Lauft raus

von |Mai 14th, 2017|

Nach der Unterbrechung war die Luft raus

“Willst Du nächste Woche nicht auch zum Hockenheimring kommen?” – “Ja, warum eigentlich nicht!” Lukas’ Frage und meine knappe Antwort hatten das Schicksal besiegelt. Kurz entschlossen meldete ich mich für das zweite Rennen im Rahmen des German Cycling Cups auf dem Hockenheimring an. Na klar, die 120 km sollten es werden – auf dem Rennrad und ohne Höhenmeter, kein Problem! Lange war ich nicht mehr so gutgläubig, aber später mehr dazu. Am Samstag war also der Tag gekommen, an dem ich mich zusammen mit Thomas und Lukas am Hockenheimring verabredete, um dort auf der legendären Formel 1 Strecke auf Rundenjagd zu gehen.

Bei Kaiserwetter voller Vorfreude auf das Rennen: Lukas, Thomas und Sven

Bei Kaiserwetter voller Vorfreude auf das Rennen: Lukas, Thomas und Sven

Bei bestem Wetter und nahezu sommerlichen Temperaturen trafen wir drei Bergbeißer fast zeitglich im Fahrerlager ein. Startnummern montieren, Trikot an und auf einer kurzen Einrollrunde die Beine locker machen – es war alles angerichtet. Während Thomas und Lukas schon den einen oder anderen Rennkilometer plus unzählige Trainingskilometer in den Beinen hatten, stand ich relativ jungfräulich im Startblock. Egal, ich hatte richtige Lust auf das Rennen. Das gute Wetter, die faszinierende Kulisse und die vielen netten Kollegen – was sollte auf den uns bevorstehenden 26 Runden schon schiefgehen.

Das angespannte Teilnehmerfeld wartet auf den Startschuss

Das angespannte Teilnehmerfeld wartet auf den Startschuss

Der Startschuss war noch nicht ganz gefallen, da machte sich im Feld die gewohnte Hektik breit. Gleich zu Beginn möglichst weit vorne eine gute Gruppe erwischen, das war die Devise. Während sich Lukas, dicht gefolgt von Thomas direkt einen Platz in der Spitzengruppe sicherte reihte ich mich in einer fixen Verfolgergruppe ein. Und siehe da, es passte. Runde für Runde legte sich die Hektik und die Gruppe harmonierte sehr gut zusammen. Leider musste ich Lukas nach nur zwei Rennrunden fluchend am Streckenrad erblicken. Eine defekte Kette ließ seinen Traum von einer Spitzenplatzierung schon früh im Rennen platzen. In der sechsten Runde wurde dann auch unser D-Zug gebremst. In einer vorderen Gruppe kam es zu einem schweren Sturz, der den Einsatz eines Rettungshubschraubers nach sich zog. Folglich entschied die Rennleitung auf Rennabbruch. Streckenposten leiteten das Fahrerfeld der 120 und 60 km Runde in die Boxengasse. An dieser Stelle wünschen wir dem Verunfallten alles Gute und eine schnelle Genesung!

Warten statt Radeln beim GCC auf dem Hockenheimring

Warten statt Radeln beim GCC auf dem Hockenheimring

Sobald der Rettungseinsatz auf der Strecke beendet war, sollte das Rennen neu gestartet werden. Dass sich während der Unterbrechung jedoch ein Unwetter über der Rennstrecke breit machte, erschwerte die Entscheidung der Rennleitung. Starkregen und aufkommende Blitze um den Ring zwangen unser Bergbeißer Trio dazu, sich beim nächstbesten Getränkestand unterzustellen. Zahlreiche Teilnehmer nahmen den abrupten Wetterumschwung zum Anlass, den verfrühten Heimweg anzutreten. Radrennen auf Motorsport-Rennstrecken und Wetterkapriolen – das passte für uns irgendwie zusammen. Zu oft wurden wir bei Rad am Ring auf der Nürburgring Nordschleife Zeuge “besonders suboptimaler” Zustände. Also entschlossen wir uns dazu, erst einmal eine Entscheidung der Rennleitung abzuwarten. Kurz nachdem wir uns profilaktisch schon einmal die Regenklamotten anlegten kamen dann auch die erwarteten Informationen: Das Rennen wird mit verkürzter Distanz neu gestartet (10 Runden). Alle bis dato absolvierten Runden sollten aus der Wertung fallen. Na gut, auf ein Neues. Durchnässt und nach wie vor von teils weltuntergangsähnlichen Wetterbedingungen begleitet fanden wir uns gerade noch rechtzeitig zum Restart auf der Start/Ziel Gerade ein.

Geplagt vom Regen bahnt sich Sven seinen Weg durch das Motodrom

Geplagt vom Regen bahnt sich Sven seinen Weg durch das Motodrom

Zwar gesitteter und mit einer den Streckenbedingungen entsprechendenen Vorsicht drückte das Feld gleich von Start an auf das Tempo. Während mein Garmin für die Runden vor dem Rennabbruch noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 km/h ausspuckte, sollte die Tachonadel auch auf regennasser Strecke nicht unter 40 km/h fallen. Vielleicht doch etwas zu viel des Guten. Denn anders als noch vor der Unterbrechung war sich unsere Gruppe nun uneins über die zu verrichtende Führungsarbeit. Zusammen mit drei anderen Mitstreitern nahm ich das Heft des Handelns in die Hand und gab mächtig Druck auf die Pedale – dumm und naiv, wie ich später feststellte. Denn nach sechs zurückgelegten Runden explodierte mein Motor. Eine halbe Runde lang versuchte ich noch verzweifelt, mich vom Sog der Gruppe mitreißen zu lassen, ehe die bissigen Beschleunigungsphasen nach den Kurven für meine Isolation sorgten. Hervorragend, ohne Gruppe und bei erneut einsetztendem Regen war ich allein im Schneckentempo unterwegs. Was hätte ich jetzt für einen knackigen Berg gegeben, auf dessen Abfahrt ich mich hätte regenerieren können. Naja, es hatte keinen Zweck mehr, fortan radelte ich mein eigenes Rennen – nicht auf Platzierung, sondern auf Ankommen!

Zu schnell für den Fotografen und trotzdem alleine auf weiter Flur: Lukas nimmt den technischen Defekt mit Galgenhumor

Zu schnell für den Fotografen und trotzdem alleine auf weiter Flur: Lukas nimmt den technischen Defekt mit Galgenhumor

Die Moral im Team musste einen weiteren Dämpfer hinnehmen, als Lukas nach bravoröser Aufholjagd erneut mit Materialschaden auf dem Grünstreifen wiederzufinden war. Einzig Routinier Thomas zeigte sich unbeeindruckt von den äußeren Umständen und spulte Runde für Runde im Affenzahn ab.

Nicht einmal mehr motiviert, um für die Sportografen den Hampelmann auf dem Rad zu machen, rollte ich sichtlich schlecht gelaunt über die Ziellinie. Meine Laune hob sich jedoch gleich nachdem ich Thomas und Lukas auf mich wartend vor der Boxengasse erblickte. Zusammen mit Thomas freuten wir uns über sein starkes Ergebnis: 7. Platz in der Master 4-Klasse! Zur Belohnung gab es im Zielbereich ersteinmal das verdiente Bier, dass wir uns während der Rennunterbrechung schon einmal vorab reservierten.

Das oligatorische Finisher-Bier hatte sich das Bergbeißer-Trio verdient

Das oligatorische Finisher-Bier hatte sich das Bergbeißer-Trio verdient

Unzufrieden mit dem Rennverlauf aber dennoch irgendwie auch froh, ein chaotisches Rennen hinter mich gebracht zu haben, trat ich am Abend die Heimfahrt ins Schwabenland an. Irgendwie fühle ich mich auf dem MTB einfach wohler, sodass Thomas und Lukas beim nächsten GCC-Lauf wohl wieder ohne mich auskommen müssen – jedenfalls auf der Strecke.

In diesem Sinne noch einen schönen Restsonntag,

Sven

Fotos: Team Bergbeißer (4), Sportograf (2)

P-Weg Klassentreffen in Plettenberg

von |September 16th, 2016|

P-Weg Klassentreffen in Plettenberg

Das obligatorische Bergbeißer-Teamfoto darf bei keinem P-Weg fehlen

Das obligatorische Bergbeißer-Teamfoto darf bei keinem P-Weg fehlen

Wenn das P-Weg Marathonwochenende in Plettenberg ruft, dann kommen sie alle – und zwar schon am Freitag. Zur traditionellen Pastaparty und der Eröffnung der Veranstaltung. Zu den ersten Rennen der jüngsten Teilnehmer wird die Stadt richtig voll. Der Freitagabend hat dabei den Charakter eines großen Klassentreffens. Trainingspartner, Teammitglieder und Betreuer reisen aus der gesamten Bundesrepublik an und knubbeln sich an diesem Abend unter dem Stephansdachstuhl zu einer Masse mehr oder weniger ambitionierter Hobbysportler. Beim Aufeinandertreffen dauert es dann in der Regel keine 5 Minuten, ehe der Gesprächspartner mal aktiv, mal passiv den Fitnesszustand seines Gegenübers abcheckt. „Was hast Du Dir dieses Wochenende so vorgenommen? Du bist momentan richtig gut drauf, habe ich gehört.“ – ein Gesprächsanfang, auf den in der Regel drei potentielle Antwortmöglichkeiten folgen können: Der Optimist berichtet von seinen Plänen, die persönliche Bestzeit gleich um mehrere Minuten unterbieten zu wollen. Der Realist wägt sein Trainingspensum und seinen Erfahrungsschatz ab und gibt eine oftmals sekundengenaue Einschätzung der eintretenden Zielzeit an. Der Pessimist dagegen zweifelt bis kurz vor dem Startschuss am eigenen Überschreiten der Ziellinie. Gewöhnlich stellen 99% aller Sportler am Freitagabend einen Hybrid zwischen Realist und Pessimist dar, Tendenz klar in Richtung Pessimist. Und dabei ist es weniger entscheidend, wie viele Trainingskilometer dann wirklich in den Oberschenkeln der Akteure schlummern, denn am folgenden Satz wird sich nie etwas ändern: „Ich habe dieses Jahr fast gar nichts gemacht und bin dementsprechend überhaupt nicht fit.“ Ja ne, ist klar! Spätestens an einem der beide Folgetage fliegt die Lüge auf. Ich selbst stand am Samstagmorgen am Start der Halbmarathondistanz. Ich würde sagen, dass ich bis dato den Realisten gemimt habe, der im tiefen Inneren aber noch auf den Optimisten gehofft hatte. Denn ein weiteres Läufergesetz lautet: Es ist egal, wie viel Du wirklich trainiert hast, Du wirst Dich immer an Deiner persönlichen Bestzeit orientieren. In meinem Fall erwies sich diese Herangehensweise als fataler Fehler – doch erst einmal der Reihe nach. Wir gingen in diesem Jahr mit vier Bergbeißern auf die Laufstrecke. Während auf Christian und mich die kurze Kombiwertung warten sollte, durften sich Berit und Torben am Samstagabend auf einen mehr oder weniger entspannten Sonntag in der Zuschauerrolle freuen. Außentemperaturen von über 30 Grad Celsius sind für mich erfahrungsgemäß 30 Grad zu viel. Egal, Bestzeiten sind auch schon bei noch höheren Temperaturen gefallen. Und so verfolgte ich von Anfang an meine fein ausgeklügelte Renntaktik – einfach einmal Laufen und gucken was die Beine sagen.

Ein toller Sportgrafen-Schnappschuss zeigt Sven auf der Laufstrecke

Ein toller Sportgrafen-Schnappschuss zeigt Sven auf der Laufstrecke

Motiviert durch meine – teils sehr schnell angehenden – Mitstreiter sowie die regelrechten Zuschauermassen am Streckenrad meisterte ich den ersten knackigen Aufstieg hinauf zur Wieckmerth. Auf dem Weg nach Landemert musste ich dann feststellen, dass lange Beine bergab nicht alles sind. Darauf bedacht, meinen Puls im Rahmen zu halten, musste ich den einen oder anderen Läufer ziehen lassen. Darunter auch Christian, der bei strahlendem Sonnenschein zur Höchstform auflief. Nicht ganz im Soll, aber dennoch im vertretbaren Bereich erreichte ich nach rund 9 Kilometern das Dorfzentrum in Landemert. Junge, Junge, was war da los… Bei dem Versuch, die Verursacher lautstarker „Sveeeeeeeeen“-Ausrufe zu identifizieren, blickte ich vergebens in eine wahre Wand aus Menschen. Es sind auf den über 21 Kilometern eben genau jene 100 Meter voller Anfeuerungsrufe, die das an sich idiotische Vorhaben Halbmarathon so einigermaßen rechtfertigen und erträglich machen. An dieser Stelle schon einmal danke an Euch Verrückte, die mir für einen kurzen Moment Flügel verliehen – ganz ohne den Brause-Chemie-Mist aus der Dose. Doch keine 5 Minuten nach diesem Hochgefühl dann der Knall: Peng, die Luft war schlagartig raus. Solarpaneele hätten auf den gut 160 Höhenmetern hinauf zum Bärenberg ihre wahre Freude gehabt. Hätte man mit ihnen den gesamten Schotterweg ausgelegt, hätte meine Verweildauer auf dieser Strecke wohl ausgereicht, um drei Tage lang eine Stadt wie Plettenberg mit reichlich Energie versorgen zu können – kurzum: Es war s…. heiß! Mein Kollege neben mir wechselte kurzerhand die Disziplin und setzte sich fortan als gemächlicher Walker in Bewegung. „Das mit dem Laufen hat hier hoch eh keinen Sinn“, lautete seine kurze Begründung. Das klang plausibel, also setzte auch ich erstmals bei einer Teilnahme an einem Laufwettbewerb die Technik „Spazierengehen“ ein. Und siehe da, der Puls sackte in den Keller, die Sauerstoffversorgung stieg an und aufkommende Knieschmerzen hielten sich vorerst zurück – coole Sache. Das Ganze hatte einen Haken: Ich befand mich ja immer noch in einem Wettkampf und die Zeit auf der Uhr tickte nicht langsamer. Egal, für den Moment konnte ich keinerlei Motivation finden, mich aus meiner Komfortzone heraus zu bewegen. Beim größten Bauern des Bärenberges angekommen, versuchte ich es dann wieder im Laufschritt, aber so wirklich wollte der Rhythmus nicht zurückkommen. Und so schleppte ich mich weiter – mal laufend, mal gehend – in Richtung Ziel. Vor dem Einstieg in den erlösenden Saley-Trail in Richtung Stadt lies ich mich von einigen netten Streckenposten noch einmal mit einem Becher Wasser versorgen – die angebotene Frikadelle lehnte ich dankend ab. Beim Blick zurück auf die Strecke traute ich meinen Augen nicht. Mit großen Schritten rauschte Torben im auffälligen Bergbeißer-Dress heran. Seinen Abstand auf mich schätzte ich zu diesem Zeitpunkt auf gut 300 Meter. Nun stand ich vor der Entscheidung: a) Auf die Zähne beißen und hoffen, dass der Abstand weiterhin Bestand hielt oder b) Torben auflaufen lassen und mit ihm gemeinsam die Ziellinie überqueren. Meine nicht mehr vorhandenen Kräfte in den Beinen nahmen mir die Entscheidung ab. Dann sollte es eben ein Finish à la Hahner-Zwillinge in Rio werden. Gefühlte 100 Meter vor dem Ziel erblickte ich dann einen breit grinsenden Torben an meiner Seite. Arm in Arm mit einem mehr oder weniger gekünzeltem Lächeln ging es dann durch das Ziel. Naja wenigstens der Plan mit dem Foto ging in Erfüllung.

Im Stile der Hafner Zwillinge überqueren Torben und Sven die Ziellinie

Im Stile der Hafner Zwillinge überqueren Torben und Sven die Ziellinie

Während die Zeit von 2:05 Stunden bei mir selbst weniger Grund zur Freude auslöste, tat es das Weizenbier im Zielbereich umso mehr. Kurze Zeit später sollte Berit die Runde der gequälten aber auch irgendwie erleichterten Finisher erweitern.

Berit und Sven freuen sich nach dem Halbmarathon über ihre Medaillen

Berit und Sven freuen sich nach dem Halbmarathon über ihre Medaillen

Part 1 war also schon einmal geschafft. Spätestens als ich am Nachmittag noch ein wenig an meinem Mountainbike rumschraubte und für eine kurze Testrunde auf den Sattel springen wollte, stellten sich erste Zweifel an Part 2 ein. Beim Schwung über das Oberrohr machte ein hässlicher Oberschenkelkrampf von sich reden. Naja, Pferdesalbe drauf und abwarten. Am nächsten Morgen ging es mir erstaunlich gut. Na klar, die Beine waren schon schwer, aber alles andere hätte ich auch als Selbstbetrug empfunden. Für das Rennen über 45 km hatte ich mir nur eines vorgenommen: Ich möchte mir selbst nie wieder fehlenden Biss vorwerfen müssen. Zusammen mit Venti machte ich mich am frühen Sonntagmorgen auf den Weg zum Treffpunkt der Bergbeißer. Nachdem wir die Langstreckler auf die Strecke geschickt hatten, das obligatorische Teamfoto geschossen hatten und ein paar wenige Kilometer zum Warmfahren eingetütet waren, fand ich mich in der Startaufstellung neben Kombinator Christian, Mister-Immer-Druck-Auf-Den-Pedalen Andreas, Kilometerschrubber Henry und Transalp-Bezwinger Alex wieder.

Das BB-Quartett freut sich auf den Start: Christian, Henry, Andreas und Sven (v.l.n.r.)

Das BB-Quartett freut sich auf den Start: Christian, Henry, Andreas und Sven (v.l.n.r.)

Gut gelaunt erwarteten wir den Startschuss. Als jener gefallen war, konnten sich Andreas, Henry und Alex etwas absetzen. Christian und ich bummelten aber auch nicht und machten schon vor der ersten Steigung einige Plätze gut. Den Anstieg hinauf zur Sehnsuchtsbirke meisterte ich, wie sollte es bei all den Zuschauern und dem so aufkommenden L’Alpe d’Huez Feeling auch anders sein, ganz gut. Auf der Abfahrt konnte Ventil zu mir aufschließen, sodass wir fortan gemeinsame Sache machten. Beim gefürchteten Anstieg auf das Dach der Hohenwibbecke mussten wir leider zur Kenntnis nehmen, dass Andreas dank Plattfuß zum Anhalten gezwungen wurde. Henry war ihm postwendend zur Hilfe geeilt. Der nächste teaminterne Defekt sollte mich dann leider mich erwischen. Auf den letzten ansteigenden Metern vernahm ich ein „Eiern“ meines Vorderrads. Die Diagnose war schnell getroffen: Der Schnellspanner hatte sich gelöst – warum auch immer. Dieser war zwar schnell wieder angezogen, der Kontakt zu Venti aber leider abgerissen. Als mir das gleiche Malheure nur unmittelbar vor der Blemcke-Abfahrt ein zweites Mal ereilte, sah ich es schon vor meinem inneren Auge: „Sven Klingschat – DNF.“ Denn einen Schnellspanner schleppe ich in der Regel nicht in einer meiner Trikottaschen mit. Also habe ich das Dingen noch einmal angezogen und gehofft, dass alles gut geht. Mit einem dementsprechend mulmigen Gefühl ging es dann mit 60 Sachen nach Eiringhausen. Meine Hoffnung, für das lange Asphaltstück vorbei an Altenheim und Aqua Magis eine gut harmonierende Gruppe zu finden, musste ich leider schnell begraben. Weit und breit konnte ich vor oder hinter mir keinen weiteren Windschattenspender ausfindig machen. Allein auf weiter Flur musste ich dann auch leider mit ansehen, wie Venti kurz vor der Brücke am Freizeitbad mit einem verbundenen Bein am Streckenrad saß.

Die Gerüstbrücke am Freizeitbad Aqua Magis zählt in jedem Jahr zu den P-Weg Highlights

Die Gerüstbrücke am Freizeitbad Aqua Magis zählt in jedem Jahr zu den P-Weg Highlights

Während ich mit den Gedanken noch bei Venti war, nahm ich Blickkontakt zu einer mir vorausfahrenden Gruppe auf. Und was sah ich da? Einen Bergbeißer am Ende der Gruppe. Fortan nutzte ich allen verbleibenden Restsauerstoff um herauszufinden, wer das denn wohl sein könnte. Schließlich war ich bis dato davon ausgegangen, dass nur Bergbeißer Steve alias Stielou der Clown vor mir sein könnte. Aber bei dem vorausfahrenden Bergbeißer konnte ich weder lange rote Haare, noch eine rote Nase ausmachen. Des Rätsels Lösung war denkbar einfach: Gas geben und aufschließen. Dies sollte mir im Laufe das Anstieges nach Hilfringhausen auch gelingen. Und siehe da, mein langjähriger Teamkollege Bernd hatte sich – scheinbar während meines Schnellspannerproblemes – an mir vorbeigeschoben. Also wieder eine gemeinsame Zieldurchfahrt? Wir können es ja einmal versuchen. Am Berg spannte ich mich als Dampflok vor Bernd. Unser Gespann funktionierte recht gut, sodass ich mir Nutzen von Bernds Downhill Künsten versprach. Auch hierbei waren wir beide kaum zu bremsen. Ob vernünftig oder unvernünftig, ich versuchte einfach blind Bernds Spur zu halten.

Mit geballter Faust über die Mountainbikestrecke

Mit geballter Faust über die Mountainbikestrecke

Vor den letzten Serpentinen am Hestenberg schoben sich im Positionskampf dann aber doch noch zwei Fahrer zwischen uns, wovon mich einer einige Sekunden und schließlich auch den Anschluss zu Bernd kostete. In der Stadt angekommen sorgten dann herzlich unwillkommene Krämpfe dafür, dass ich die Lücke zu Bernd nicht mehr schließen konnte. Was soll es, das Ziel erreichte ich dann zusammen mit Cedrik, der wiederum kurz nach dem Tunnelportal auftauchte. 2:16 Stunden waren meiner Garmin-Uhr zu vernehmen. Zeit hin oder her, anders als noch am Samstag hatte ich wenigstens das Gefühl, alles gegeben zu haben. Dementsprechend zufrieden ließ ich den Tag zusammen mit allen weiteren Bergbeißern gemütlich ausklingen.

Bis zum nächsten Jahr!

Sven

Fotos: Sportograf (4), Privat (3)

Kick Off wird zum Sommerfest

von |Juli 14th, 2016|

Kick Off wird zum Sommerfest

Getreu dem Motto „besser spät als nie“ veranstaltete das Team Bergbeißer am vergangenen Samstag sein traditionelles Kick-Off-Meeting. Aufgrund von Terminüberschneidungen entschied sich die Teamleitung um Holger und Sven in diesem Jahr dazu, aus einer Saisoneröffnung der vergangenen Jahre nunmehr ein Sommerfest zu machen. Zu diesem kamen am Wochenende rund 30 Bergbeißer im Yacht-Club Lister an der Biggetalsperre zusammen. Nach einer kurzen Ansprache durch Holger schwärmten die Mountainbiker, gegliedert in zwei Gruppen, in die umliegenden Wälder aus. Während eine Gruppe bei bestem Radfahrwetter eine Runde um die Biggetalsperre drehte, führte die Tour der zweiten Gruppe über Weuste, Niederworbscheid, Hunswinkel und Uelhof bis nach Eichhagen und nach gut 30 Kilometern schließlich wieder zurück zum Yacht-Club. Hierbei gilt insbesondere Helmut und Udo ein großes Lob für die hervorragend ausgearbeitete Strecke. Bei gemütlichem Tempo nutzten insbesondere die neuen und auswärtigen Teilnehmer die Chance zum Plausch mit den Teammigliedern aus dem Sauerland. Thema war dabei auch das neue Outfit, in welchem die Bergbeißer unter anderem auch beim P-Weg-Marathonwochenende an den Start gehen werden. Nach den Strapazen auf dem Rad warteten am Yachtclub Köstlichkeiten vom Grill, Kaltgetränke sowie später auch Kaffee und Kuchen auf die Sportler. Bei einer herrlichen Aussicht über die Talsperre ließen die Anwesenden ein rundum gelungenes Teamtreffen gemütlich ausklingen.

Kick Off Team Bergbeißer

Kick Off Team Bergbeißer

Saison 2015 mit drei Höhepunkten

von |Januar 10th, 2016|

Saison 2015 mit drei Höhepunkten

Ja, das war sie heute: Meine erste Trainingseinheit im neuen Jahr. Wobei… wenn ich ehrlich bin war es eher ein Rumgeschlappe über die vereisten Braunschweiger Waldwege. Während der gemessene Puls allerhöchste Wettkampfbelastungen vermuten ließ, erinnerte die eingeschlagene Pace an einen Spaziergang zum Entenfüttern. Naja was soll es, je langsamer die Trainingsläufe am Anfang sind, desto schneller kommen Fortschritte und Erfolgserlebnisse – hoffentlich. Doch ginge es nach meiner teuren Fitnessuhr, ist jetzt erst einmal Pause angesagt: „4 Tage Erholungszeit“ leuchtete grell auf dem Display auf, ehe ich fix und fertig auf das äußerst verlockende Sofa fallen konnte. Okay, dann bleibe ich eben vier Tage hier liegen – man reiche mir Chips und Bier!

Eine erste Trainingseinheit 2016: Check!

Eine erste Trainingseinheit 2016: Check!

Aber eigentlich wollte ich gar nicht von meinen heutigen läuferischen Kunststücken berichten, sondern viel mehr von den Gedanken, die mir auf den knapp neun Kilometern durch das sauerstoffunterversorgte Hirn gingen. Bei meiner neuen Hausrunde um den See habe ich das vergangene Sportjahr Revue passieren lassen. An vielen Wettkämpfen habe ich nicht teilgenommen. Auf dem Rad schaffte ich sage und schreibe zwei ganze Renneinsätze. Trotzdem war das Jahr 2015 aus sportlicher Sicht ein ganz besonderes für mich – standen doch gleich drei Höhepunkte auf dem Wettkampfkalender. Insbesondere die erste zu nehmende Hürde war von Furcht und Vorfreude gleichermaßen geprägt. Christian und ich hatten uns zum Düsseldorf-Marathon angemeldet. „So etwas muss man ja schließlich einmal mitgemacht haben“, hatten wir uns im Vorfeld eingeredet. „Nein, muss man nicht!“, habe ich nach der Zielankunft am Rheinufer geflucht.

Auf den ersten Kilometern ist das Bergbeißer-Duo noch gut gelaunt

Auf den ersten Kilometern ist das Bergbeißer-Duo noch gut gelaunt

Wie bekloppt muss man sein, seinem Körper über 42,195 Kilometer und daraus resultierenden 4:20 Stunden Bewegungszeit solche Strapazen anzutun. Wenn man sich auch 100 Meter vor dem Ziel nicht sicher ist, ob man dieses wirklich noch erreicht, wenn Bordsteinkanten einer Gipfelbesteigung gleichkommen und wenn das Verdauen einer halben Banane zur biologischen Grenzaufgabe wird, dann kann man nicht mehr von Spaß reden. Ich höre mich heute noch sagen: „Wenn ich je noch einmal auf die Idee kommen sollte, bei solch einem Quatsch mitzumachen, haltet mich mit allen Kräften davon ab.“ Doch jetzt, über ein halbes Jahr danach verspüre ich Reize wie „Mach es noch einmal und dann unter vier Stunden“ oder „Die lange Kombiwertung beim P-Weg (42,2 km Laufen + 93 km MTB) wäre doch auch mal eine Herausforderung“. Warten wir erst einmal ab was daraus wird.

Kaum zu glauben aber wahr: Wir haben das Ziel erreicht!

Kaum zu glauben aber wahr: Wir haben das Ziel erreicht!

Aber wie dem auch sei, der erste Höhepunkt des Jahres stellte gleichzeitig die größte Hürde dar. Zurückblickend hat das Bergbeißer-Duo Fornaroli/Klingschat diese mehr oder weniger souverän genommen – auf zum nächsten Glanzpunkt: Rad am Ring auf der berühmt berüchtigten Nordschleife. Erneut mit Christian im Schlepptau ging es aus Aachen in die Eifel. Dort trafen wir auf unsere Leidesgenossen Thomas und Björn. Das eine oder andere 24h Rennen hatten wir bis dato ja bereits zusammen durchgestanden und so sollte uns so schnell nichts aus der Bahn werfen können – denkste! Obwohl das Rennen gewöhnlich erst am Samstagmittag startet, reist ein Großteil des Teams traditionell schon am späten Freitagnachmittag an um nicht etwa die Räder sondern vielmehr das Teamzelt und insbesondere den Grill in Position zu bringen. So auch 2015. Bei bestem Wetter bauten wir mit aller Routine das Zelt auf, ehe wir es uns bei Weizenbier und Rostbratwurst gut gehen ließen. Leider sollte diese Phase des Wohlfühlens nicht ewig anhalten. Kurz nachdem wir die Startunterlagen abgeholt hatten, zog das zwar vorhergesagte, aber natürlich maßlos unterschätzte Unwetter auf. Auch das waren wir aus der Eifel ja bereits gewohnt, doch so schlimm wie im letzten Jahr hatte es uns zuvor noch nie erwischt. Während auf der GP-Strecke Pavillons und Zelte rebellierten, blieb uns nur der Funke Hoffnung, dass und wenigstens das Teamzelt die Treue hielt. Am nächsten Morgen konnten wir eine erste Bilanz ziehen: Keine Schlafminute, aber immerhin noch ein Dach über dem Kopf – allerbeste Voraussetzungen für ein noch bevorstehendes 24h Rennen. Da sich vor allem der Wind in der Region rund um die Nürburg heimisch zu fühlen schien, traf der Veranstalter am Samstagmittag eine Entscheidung: Der Startschuss fällt erst um 20 Uhr, wir veranstalten ein 17h Rennen – öfter mal was Neues.

Warten statt Fahren: Vorerst hatte uns der Wind in der Eifel gewaltig ausgebremst

Warten statt Fahren: Vorerst hatte uns der Wind in der Eifel gewaltig ausgebremst

Zwar war es ebenso ungewöhnlich, am Nachmittag ausreichend Zeit zu haben, um sich beim kurzerhand organisierten Public Viewing das Tour de France Etappenfinale anzusehen, wie als vierter Fahrer die erste Runde gleich in voller Scheinwerfer-Montur zu meistern. Im Vergleich zu dem Vorspiel verlief das Rennen selbst relativ unspektakulär. Nach alter Väter Sitte gingen wir in der „Fuchsröhre“ auf Geschwindigkeitsrekordjagd, sehnten an der „Hohen Acht“ eine flache Neun herbei und schauten uns auf der „Döttinger Höhe“ oftmals vergebens nach einem heiß ersehnten Windschattenspender um. Unterm Strich hatte das Bergbeißer-Quartett jedoch wieder jede Menge Spaß. Die Teilnahme 2016 ist natürlich bereits gesichert.

Ungewohnt dunkel war es auf meiner ersten Runde über die Nordschleife

Ungewohnt dunkel war es auf meiner ersten Runde über die Nordschleife

Auf zum letzten Höhepunkt: Wie in jedem Jahr spielt der heimische P-Weg eine ganz besondere Rolle. Mit einem Marathon in den Beinen stellte sich dabei gar nicht erst die Frage, ob ich das Ritual des Startes in der Kombiwertung nicht doch noch einmal abändern sollte. Dabei war ich 2016 besonders motiviert, hatte sich doch mit unserem geschätzten Teamkollegen Venti ein weiterer Bergbeißer für die kurze Kombiwertung angemeldet. Gegenseitig verfolgten wir im Vorfeld unsere Trainingserfolge via Strava-App. Zugegeben, ich habe mich so manches Mal von der Couch in die Lauf- oder Radklamotten geschmissen, nur um am Ende der Woche mehr Strava-Kilometer als Venti vorweisen zu können – hat leider nur selten geklappt. Kurz vor Redaktionsschluss hatte Venti mir dann doch immer wieder noch einen strammen Dauerlauf auf das Display meines Smartphones serviert. Jetzt kann ich es ja sagen: Der P-Weg 2015 war gleichermaßen auch ein teaminternes Duell zwischen Venti und mir. Denn gefühlt waren wir sowohl läuferisch, als auch auf dem Bike auf etwa einem Leistungsniveau – auch wenn dieses nicht besonders hoch war.

Ein gewohntes Bild am P-Weg Samstag: Venti stets ein paar Schritte voraus

Ein gewohntes Bild am P-Weg Samstag: Venti stets ein paar Schritte voraus

Und tatsächlich, beim Halbmarathon am Samstag ist der eine dem anderen nicht von der Seite gewichen. Erst auf den letzten Metern zeigte sich, dass Venti scheinbar einen größeren Durst auf das langersehnte Zielbier verspürte. Ganze 12 Sekunden vor mir erreichte die Trainingsbestie das Ziel – Zeit genug, um mir mindestens zwei Schlucke voraus zu sein. Hut ab, schließlich war es für Venti der erste Halbmarathon überhaupt. Einen solchen auf Anhieb nach nur rund 1:50 Stunden abzuschließen ist mehr als respektabel. Mit Rückstand ging ich also in die Halbzeitpause. Seite an Seite gingen wir dann auch am Sonntag auf dem MTB an den Start. Dass ich mich im Rennen selbst von Beginn an etwas von Venti absetzen konnte ist insbesondere dem Umstand zu Schulden, dass ich mich uneingeschränkt in den Schweizer Bergbeißer-Express um Jürg und Tristan eingliedern konnte. Die beiden Hüter des löchrigen Käses machten ordentlich Dampf und motivierten mich zum maximalen Laktatausschuss.

Der Bergbeißer-Express: Die beiden Schweizer Lokomotiven Jürg und Tristan und ich als Kesselwagen hinten dran

Der Bergbeißer-Express: Die beiden Schweizer Lokomotiven Jürg und Tristan und ich als Kesselwagen hinten dran

Nach einer Weile gesellte sich Deutschlands schnellster Clown zu uns: Stielou! Zu viert kämpften wir uns über das matschige Terrain und vorbei an den zahlreichen Zuschauern. Dass anders als gewohnt bei mir erst am Grävinglöh anstatt bereits in Selscheid die leidvollen Wadenkrämpfe einsetzten, spielte mir natürlich in die Karten. Von dort aus  musste ich mehr oder weniger nur noch rollen lassen. Krampfgeplagt aber glücklich erreichte ich schließlich das Ziel am Alten Markt. Für genau 12 Sekunden blickte ich gebannt über die Schulter, die Ziellinie streng fokussiert. 10, 11, 12, ….. 13! Geschafft, das teaminterne Duell geht an mich! Knapp drei Minuten nach mir durfte auch Venti vom Rad steigen. Bis dato war ich mit 5 zu 2 Schlucken Bier in Führung. Doch Spaß beiseite, im Endeffekt waren wir beide stolz auf die erbrachte Leistung. Gerade beim Laufen am Vortag hat Venti eine bärenstarke Performance gezeigt. Und so diente der P-Weg als versöhnlicher Saisonabschluss eines kurzen aber dennoch ereignisreichen Sportjahres 2015. Stand jetzt wird es 2016 keinen Marathon geben. Aber sowohl am Ring als auch beim P-Weg werde ich wieder mit von der Partie sein. Wenn ich es jetzt noch schaffe, einen Schritt aus der eigenen Komfortzone heraus zu tätigen, bin ich für das Bevorstehende guter Dinge! Wir sehen uns auf der Piste…

Euer Klingel