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Martin Schneider

2 x 4 = 6

von |September 2nd, 2014|

2 x 4 = 6

Gemeldet mit zwei Viererteams wollten wir Bergbeißer uns aus dem Sauerland nach Idstein aufmachen. Kurzfristig mussten Sven und Jörg leider krankheits- bzw. arbeitsbedingt absagen. Was nun? Es blieben nur sechs Bergbeißer übrig. Lucky, Frank und ich reisten schon amFreitag an. Bei der Ankunft war das Rennbüro für die Ummeldung schon geschlossen. Dafür ging es rechtzeitig zur Pastaparty. Anschließend führte uns der Weg noch in die sehenswerte Altstadt. Dort wurde erst Fußball geguckt und Bier getrunken, ehe nach dem Abpfiff nur noch Bier getrunken wurde. In der Hexenturmhalle haben wir dann übernachtet. Mit uns haben nur drei weitere Personen in der Halle geschlafen – alle anderen am Zeltplatz.

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Martin (Snowder), Helmut, Bernard, Frank, Alessandro und Steve (v.l.n.r.) starteten in Idstein im 6er Team

Am nächsten Morgen haben wir in der Bäckerei gefrühstückt und anschließend die Rennleitung wegen Ummeldung auf 6er Team informiert. Diese musste aber erst den Zeitnehmer informieren, der allerdings noch nicht vor Ort war. Dann traf der Rest des Teams ein: Ventil, Bernard und Steve. Wir hatten etwa 200 qm Platz für uns in der Halle. Erst wenige Minuten vor dem Rennstart schaffte es der Zeitnehmer, unsere Transponder umzuprogrammieren. Ansonsten hätten wir mit zwei Dreierteams starten müssen – dann hätte ich meine Radfahrerkarriere endgültig an den Nagel gehangen!

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Eine letzte Stärkung vor dem Startschuss in der ortsansässigen Bäckerei

Dann war es 13 Uhr und unser Startfahrer Steve konnte gleich zeigen, was er drauf hatte – und das konnte sich auch sehen lassen. Steve hat sofort eine 16-Minuten-Runde in Dreck und Felsen gezirkelt. Diese Zeit wurde von unserem Team auch nicht wieder erreicht, von ihm selber übrigens auch nicht mehr. Wir sind zunächst im 2 Runden Rhythmus gefahren. 1 Runde entspricht 6,3km und 125 Hm. Die Strecke war richtig gut mit super Trails, welche leider nach einem Sturzregen am Abend etwas schwieriger zu fahren wurden. Es gab einige Unfälle, von schweren Unfällen hörte man aber nichts, nur ein paar Armbrüche. Unser Team hatte ebenfalls einen Sturz (Venti) zu beklagen, der bis auf ein paar Schürfwunden, ein defektes Schaltwerk und einem defekten Schalthebel zum Glück glimpflich abging. Dazu noch ein Platten von Frank, der sich noch laufend ins Ziel rettete und telefonisch den nächsten Fahrer informieren konnte. Anfangs zwischen Platz 16 und 18 pendelnd, fielen wir in der Nacht leider bis auf Platz 24 in der Konkurrenz der 6er-Teams zurück, obwohl wir gefühlt gar nicht so schlecht unterwegs waren.

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Das Basislager der Bergbeißer in der Hexenturmhalle

Diesen Platz behielten wir auch bis zum Ende. Für mich war es das erste 24h Rennen und es ist schon ein ungewohntes Gefühl, wenn man kurz eindöst und dann um 3 Uhr in der Nacht lautstark geweckt wird mit den Worten: „In 20 Minuten musst Du losfahren.” Es kommen einem dann schon gewisse Zweifel, ob man sein Leben richtig geplant hat. Insgesamt habe ich drei Stunden geschlafen und war damit sicherlich führend in der Teamwertung (wenigstens etwas). Nachts haben wir auf einen 3-Runden Rhythmus umgestellt, damit die Pausen etwas länger wurden – die Rundenzeiten aber auch. Nach 24h durfte unser Startfahrer Steve auch als Schlussfahrer ins Ziel einfahren und unter dem tosenden Jubel von einigen hundert Zuschauern und Fahrern konnte das Rennen erfolgreich beendet werden.

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Endlich geschafft: Schlussfahrer Steve absolvierte die letzte Rennrunde

Auf der Rückfahrt haben Lucky und ich uns mit Kaffee und RedBull wachgehalten, sonst hätten wir uns in Limburg schon ein Zimmer nehmen müssen.

Euer Snowder

Zusammen mit Bike-MK durch das Ruhrgebiet

von |Juni 30th, 2014|

Zusammen mit Bike-MK durch das Ruhrgebiet

 

Im Frühling entschlossen sich die drei Bergbeißer Lucky, Hubsi und ich (Snowder), den Ruhrpott Cross in Angriff zu nehmen, von dem sie schon viel schönes und anstrengendes gehört hatten. Es sollte 150 Kilometer mit über 3000 Höhenmetern über Trails und knackige Anstiege durch das südliche Ruhrgebiet gehen, verteilt auf zwei Tage.

Ein Wochenende war schnell gefunden und wie es der Zufall wollte, entdeckte ich, dass die Kollegen von Bike-MK  an dem gleichen Wochenende die gleiche Tour planten. Kurzerhand schlossen wir uns den Rasern aus Herscheid und Umgebung an. Dietrich Herfel, der Sieger des „Bergzeitfahrens auf Korfu“, hatte sich bereits vor uns dort angemeldet, so dass die Tour mit vier Bergbeißern starten sollte.

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Hubert “Hubsi” Hohmann, Dietrich “Didi” Herfel, Martin “Snowder” Schneider und Helmut “Lucky” Luke tourten mit Freunden von Bike-MK durch den Pott

Am 21.Juni 2014 ging es in den frühen Morgenstunden los. Zunächst wurden Material und Mitfahrer nach Duisburg zum Hauptbahnhof gebracht. Die Fahrer brachten anschließend die Autos zum Ziel zum Hauptbahnhof nach Dortmund und kamen mit dem Zug wieder zurück zum Startort. Um 10 Uhr konnte sich der Tross bestehend aus 14 Fahrern dann endlich in Bewegung setzen.

Zügig ging es aus der Stadt heraus. Ein bis zwei Tourguides vorne weg, einer für alle Fälle immer hinten dran. Mit Funkgeräten und GPS ausgestattet führten uns die Guides an beiden Tagen sicher zum Ziel.

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Der Ritt über teils sehr technische Trails bereitete den Bikern großen Spaß

In den ersten Wäldern angekommen bestätigten sich unsere Befürchtungen. Unwetter Xynthia hatte ganze Landschaften verwüstet. Teils mussten wir umgestürzte Bäume weiträumig umfahren,  manchmal sogar umkehren und Alternativrouten wählen. Wenn die Bäume lagen und keine Gefahr bestand, haben wir diese auch über- und durchklettert. Unserem Spaß hat dies keinen Abbruch getan, unsere Durchschnittgeschwindigkeit  näherte sich allerdings der Geschwindigkeit eines Wanderers.  Trotzdem gab es noch zahlreiche Trails, die uns das Grinsen immer wieder ins Gesicht zauberten. Die Ruhr ständig in der  Nähe, kamen wir schließlich in Essen an, wo eine Mittagspause gemacht wurde. Entlang des Baldeneysee ging es weiter, bevor wir uns wieder in die Wälder zurückzogen. Die Berge sind zwar nicht so hoch wie im Sauerland, dafür sind es viele und dann teils sehr steil. Das Höhenprofil hat nicht nur 3-4 Zacken sondern sieht eher aus wie ein Kamm. In Hattingen angekommen ging es zunächst durch die Altstadt bevor wir uns zum Hotel nach Süd-Bochum auf den Weg machten, wo wir teilweise auch noch die Bikes schieben und tragen mussten. Nach 83 Kilometern, 1500Höhenmetern und 9 Stunden (Brutto-) Fahrzeit waren wir dann doch froh, absteigen zu können.

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Zwischendurch galt es sehr steile Anstiege zu bezwingen

Am Hotel angekommen wurden wir sehr liebevoll empfangen. Ein familiär geführtes kleines Hotel (Zum Neuling), welches man jederzeit weiterempfehlen kann. Der Chef machte extra für mich das Hallenbad auf, in dem ich noch ein paar Bahnen ziehen konnte (8×4 Meter).  Beim Abendessen hatten wir einen Raum nur für uns. Es war extra ein Fernseher für das Länderspiel Deutschland gegen Ghana aufgestellt worden, was wir dann bei leckerem Essen und Trinken verfolgen konnten. Noch während der zweiten Halbzeit gingen die ersten bereits ins Bett. Auch ich bin 20 Minuten nach dem Abpfiff zum Matratzenhorchdienst gegangen und das war auch gut so. Am nächsten Tag sollte es nach dem Frühstück um 9 Uhr weitergehen. Zum Abschied spielte der Hotelinhaber auf seiner Trompete im Innenhof des Hotels „Ja, wir san mim Radl do…“, während der Rest der Familie sich verabschiedete und wir in den zweiten Tag starten konnten. So etwas erlebt man nicht alle Tage.

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Die eine oder andere Pause hatten sich die Biker verdient

Zurück zur Ruhr und weiter bis zum Kemnader See ging es noch recht zügig. Dann wieder hinein in die Wälder und Berge und der Spaß kam zurück. Nach einer Mittagspause mit leichter Kost und reichlich Getränken (zumindest für mich), kamen wir dann nach 50 Kilometern zum Höhepunkt der Tour. Es begannen Passagen mit unzähligen Trails mit liebevoll erbauten Strecken mit kleinen Sprungschanzen und Anliegern, flowige Teilstücke, die ich aus dem Sauerland so nicht kannte. Das Glück erstreckte sich über einige Kilometer, bevor wir in die Vororte von Dortmund kamen. Entlang des Stadions der kleinen Borussia ging es dann  zum Parkplatz am Hauptbahnhof und nach etwa 7,5 Stunden (immer noch brutto), 63 Kilometern und weiteren 1500 Höhenmetern hatten wir das Ziel erreicht.

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Die Tour sorgte bei allen Teilnehmern für sichtlich großen Spaß

Glücklich und teilweise erschöpft ging es dann in den PKWs wieder zurück nach Plettenberg und Umgebung. Ganz großer Dank an die Kollegen von Bike-MK für die hervorragende Organisation, die unter diesen Umständen sicherlich einiges an Aufwand bedeutet hat. Und jetzt wird wieder fleißig trainiert, denn die 24h von Idstein und der P-Weg stehen bereits vor der Tür.

Viel Spaß beim Training und schöne Grüße aus Windhausen,

Snowder

Bilder: Martin Schneider / Bike-MK

Ghostrider on (first offroad) Tour 2014

von |März 8th, 2014|

Ghostrider on (first offroad) Tour 2014

Es war Karnevalssamstag, das Wetter, zumindest von oben, gut, meine Stimmung hervorragend. Ich überlegte mir eine Tour um die Lister, schwang mich aufs Rad und düste los.

Ich nahm sofort den ersten Waldweg und stürzte mich den Berg hinunter. Leider blieb ich fast im Schlamm stecken, in diesem Moment fiel mir auch auf, dass ich die Schutzbleche vergessen hatte. Ich kam in dem Ort Beukenbeul  (gehört zum lokalen Weltkulturerbe) an und fühlte mich wie Ghostrider, nur, dass mir keine Flammen aus dem Körper schlugen sondern der Schlamm aus den Ohren kam.  Die ersten Jugendlichen, die mir begegneten, starrten mich wie einen Außerirdischen an, da hatte ich gerade mal 700m auf dem Tacho. Ein Ort weiter kam mir ein junges Mädchen im Auto entgegen. Erst dachte ich, sie lächelt mich an, dann wusste ich, sie lacht sich kaputt. Vermutlich stellte sie sich vor, wie ich die Grundreinigung mit einer Spitzhacke beginnen muss.

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Dann kam ich an die erste Steigung. Ich hatte zuvor von einem Red Bull Bergrennen mit 18% Steigung über 350m gelesen.  Ich hatte mir beim Lesen noch vorgestellt, wie ich selber den Berg hochsprinte. Als ich fahrenderweise die 15% Steigung erklomm, konnte ich entgegenkommenden Fußgängern nur freundlich zunicken, für ein „Guten Morgen“ reichte die Luft einfach nicht. Nach gefühlten 20 Minuten hatte ich das Hügelchen bezwungen.

Die nächsten Kilometer verliefen dann auch weitestgehend normal. Auf der anderen Seite der Lister kam erst die nächste bergtechnische Herausforderung, diese war etwas länger und ich nahm mir gequält vor, bis oben durchzuhalten und dann erst anzuhalten. Dies schaffte ich auch, hielt erst oben an, klickte mit dem linken Fuß aus und fiel beim Griff zur Trinkflasche nach rechts um. Im Fallen stützte ich mich auf der Trinkflasche ab, die sich öffnete und dann auslief. Am Boden liegend und aus dem Augenwinkel heraus sah ich einen Unimog mit vermutlich Waldarbeitern, der sich näherte. Aus dem Schaukeln des Unimog schloss ich, dass sich die Insassen gerade köstlich amüsierten. Professionell sammelte ich alles Verlorene ein, schwang mich aufs Rad und suchte das Weite.

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 Nachdem ich das nächste Tal durchquert hatte, sah ich an der nächsten Steigung  3 Konkurrenten im Kampf um die Mountainbike-Krone.  Mein Ehrgeiz sagte mir, die musst Du jetzt förmlich wegblasen, am besten so, dass sie es erst merken, wenn ich schon 100m vorbeigeflogen bin. Ich holte Schwung und näherte mich den Dreien. Vermutlich hatte ich zu früh begonnen, Schwung zu holen, so dass aus dem Vorbeifliegen ein vorsichtiges Annähern wurde. Bei Erreichen des letzten Fahrers stellte sich dieser als „leicht“ übergewichtige Dame heraus, die ihrem vorausfahrenden etwa 5 jährigen Sohn „Achtung Fahrradfahrer“ zurief. Ich antwortete mit einem „So ell i i au ich ueks“, was eigentlich „So schnell bin ich auch nicht unterwegs“ heißen sollte. Leider bekam ich keinen ganzen Satz heraus, da sich mein körperlicher Arbeitsbereich gerade bei etwa 10 Schlägen über der maximalen Herzfrequenz befand.  Den vorausfahrenden Vater mit Satteltaschen und Rucksack bepackt, der mir etwas freundlich zurief, musste ich dann leider ignorieren. Er möge es mir verzeihen, wenn er jemals diese Zeilen liest.

Es ging die letzten Kilometer noch etwas auf und ab und nach insgesamt 2 Stunden hatte ich das Ziel, die warme Badewanne, erreicht.

Was für Heldentaten ein Mann im Leben doch vollbringt, ich bin stolz auf mich.

Der Ghostwriter alias Snowder alias Martin S.

PS: Den Dreck sieht man leider auf den Fotos nicht so gut, dafür umso besser auf einem hellen Fliesenboden, wenn man in voller Montur durchs Haus gelaufen ist.

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(das ist übrigens meine Frau 0,5 Sekunden später)

Tagebucheinträge zum P-Weg 2012

von |Oktober 19th, 2013|


Tagebucheinträge zum P-Weg 2012

P-Weg 2012

Dieses spannende Tagebuch zum “P-Weg 2012″ wurde netterweise von unserem Mitglied Martin Schneider geschrieben.

Er berichtet dort von seinen Erfahrungen vor, während und nach dem P-Weg 2012. Wir wünschen viel Spaß mit dem humorvollen Erfahrungsbericht.

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Freitag, 07.09.2012 – 2 Tage bis zum Showdown

Direkt von der Arbeit gehe ich zur Startnummernausgabe, treffe viele Bergbeißer mit dem gleichen Ansinnen und wie nicht anders zu erwarten, funktioniert alles wie am Schnürchen. Zuhause angekommen, will ich noch eine kurze Testrunde machen, der Reifen ist leider platt. Schnell wiederaufgepumpt, die Dichtmilch schüttelnderweise nochmals verteilt, kurze Runde gedreht und dann eine Kerze aufgestellt und gebetet, daß Sonntags alles dicht ist.

Samstag, 08.09.2012 – Gnadenlos läuft der Countdown

 

Der P-Weg 2012 war ein absolutes Highlight für das Team Bergbeißer

Nachdem gestern das Kids-Race war, starten heute die Läufer, Nordic-Walker und Wanderer. Ich bin erst zum 21km-Rennen vor Ort
und schaue mir den Start an. Die Marathonistis über die 42kmStrecke und die Wahnsinnigen über die 67km Strecke sind bereits unterwegs. Das Wetter ist perfekt, die Stimmung erreicht mit dem Start den ersten Höhepunkt. Ich fahre zwecks weiterer Testrunde mit dem MTB nach Landemert, um dort an verschiedenen Streckenpunkten die Sportler anzufeuern.

Man glaubt es kaum, aber es stehen bereits hundertevon enthusiastischen Zuschauern am Rand, die mit einer Lautstärke von mehreren startenden Düsenjets die Sportler zu Höchstleistungen treiben. Es sind viele Arbeitskollegen am Start, die ich natürlich besonders anfeuere. Auf geht’s zurSehnsuchtsbirke. Hier haben die Sportler den kräftezehrenden Anstieg von der Steinkuhle bis zumBärenberg hinter sich, das alles in praller Sonne. Gut, dass es 4 Verpflegungsstellen auf der gesamten Strecke gibt und das mit freundlichen Helfern, die ihresgleichen suchen.

Von der Sehnsuchtsbirke aus sind es „nur“ noch 5 km, allerdings kommt auch der letzte Trail, der einigen ausgepumpten und unkonzentrierten Sportlern Kopfzerbrechen und offene Knie bereitet. Im Zielbereich toben wieder die Zuschauer und feuern vom ersten bis zum letztenSportler nochmals alle an. Plettenberg kann stolz sein auf ein solches Event mit sportlichen Höchstleistungen, einer perfekten Organisation und dem besten Helferteam der Welt. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Tag, an dem ich als Biker teilnehmen kann.

Sonntag, 09.09.2012 – Der Tag X ist gekommen

Der Tag ist da und ich freue mich gar nicht mehr sowie gestern. Es nützt alles nichts, ich will mich vor meiner Frau nicht blamieren. Die letzten Sachen werden noch gepackt und ab geht’s zum P-Weg nach Plettenberg. Ich feure noch die Starter über die 87-km-Langstrecke an, bevor ich mich selber zum Start für die 42 km mit 1100 Höhenmetern mache.Das Thermometer zeigt bereits über 20°C, im
Laufe des Rennens wird die Quecksilbersäule auf 28°C steigen. Während mein Fahrrad schon im Startbereich wartet, vertreibe ich mir die Zeit aufgrund der Nervosität und der damit verbundenen Magenprobleme in der Keramikabteilung der extra dafür aufgestellten Häuschen.

Pünktlich zum Start bin ich natürlich zurück und erleichtert kann es losgehen. Der Startschuss erfolgt, das Publikum tobt
und mit einer Gänsehaut rolle ich durch die Stadt. Doch nach wenigen Sekunden geht die Hetzjagd los und jeder möchte sich eine gute Ausgangsposition für den Anstieg zur Sehnsuchtsbirke hochverschaffen. Ich halte mich zurück, um nicht zu viel Kraft schon am ersten Berg zu vergeuden. Bei dieser taktisch klugen Meisterleistung werde ich von „gefühlten“ 500 Bikern überholt. In Wirklichkeit sind es wahrscheinlich nur 490. Auf geht es durch den Torbogen und der erste Berg ist geschafft.

Auf der Abfahrt nach Pasel kann ich wieder ein paar Plätze gut machen, da ich die Strecke gut kenne. Trotzdem muss man ständig auf der Hut sein, da man für mindestens 10 Fahrer mitdenken muss, was mir bei einem Puls jenseits der Schmerzgrenze schwer fällt. In Pasel wird man wieder angefeuert, als ob es um Leben und Tod geht. Und dann kommt er, der Große, der Unendliche, der Gewaltige. Vielen ist er eher als Anstieg zur Hohen Wibbecke bekannt,der längste Anstieg mit den fiesesten Steilrampen. Hier fallen die ersten erschöpft vom Rad, andere müssen sich übergeben, und das nicht, weil sie ihr Gewicht reduzieren wollen. Ich reihe mich in die endlose Schlange der Masochisten ein und trete stumpfsinnig in die Pedale.

Ich mache mir gerade Vorwürfe, dass ich auch noch Geld für diese Quälerei bezahlt habe, als ich absteigen und schieben muss, da vor mir bei Tempo 5 jemand aus dem Rhythmus gekommen ist. Mit Tempo 5 meine ich übrigen 5 km/h, was sowieso schon fahrerisches Können voraussetzt, nicht umzufallen. Da ich auch hier meine Kräfte einteilen möchte (und muss), werde ich von weiteren gefühlten 300 Bikern überholt, leider auch von welchen, die mich erkennen. Die letzte Rampe werde ich wieder von einer Welle der Begeisterung hochgetragen. Vor lauter Freude, den Riesen bezwungen zu haben, verliere ich meine Sonnenbrille, fahre zunächst selber drüber und dann auch noch die hinter mir fahrenden Kollegen. Ein Zuschauer bringt mir den Bausatz freundlicherweise, so dass ich zügig weiterfahren kann.

Die erste Verpflegungsstation kommt und vorschriftsmäßig nehme ich reichlich Getränke und eine Banane zu mir. Es geht auf einem welligen Kurs weiter bis es auf einer ruppigen Abfahrt nach Blemke geht. Nach Überquerung der Hauptstraße und dann unter der Unterführung durch geht es direkt zur nächsten Verpflegungsstation, wo ich mich wieder mit reichlich Getränken eindecke, mit freundlicher Unterstützung eines Arbeitskollegen. Über den Radweg geht es zunächst bis zum Altersheim, wo man in mehreren Schleifen durch den Garten geleitet wird. Die Stimmung ist hier nicht ganz so überschwenglich wie an anderen Stellen und ich habe den Eindruck, dass letztes Jahr auch noch mehr Zuschauer zugegen waren.

In einer kleineren Gruppe,der ich mich angeschlossen habe, geht es über den Radweg weiter in Richtung Aqua Magis. Gerade, als ich überholen möchte (welcher Zufall), beginnt das Überholverbot. Dieses macht auch Sinn, da man nun unter tosendem Applaus über eine Rampe auf ein Gerüst fahren muss. Oben angekommen sieht man wieder hunderte von schreienden und zujubelnden Zuschauern. Mir läuft es kalt den Rücken runter als ich über eine Rampe das Gerüst wieder verlassen muss.

Zurück auf den Radweg und die Post geht wieder ab. Nun muss man taktieren und sich einen schnellen Fahrer suchen, um in dessen Windschatten zu fahren um Kräfte zu sparen. Da vor mir kein geeigneter Fahrer zu sehen ist, gebe ich selber Gas und verausgabe mich bis Hilfringhausen völligst. Dort angekommen, überholen mich sofort 5 Fahrer, die sich in meinem Windschatten ausgeruht haben. Clever, diese Mountainbiker, leider nicht alle.

Ich fahre weiter Richtung Selscheid, muss noch einen Bach durchqueren, in den ich mich am liebsten reinlegenmöchte und schließe mich dann aber doch lieber einer kleinen Gruppe mit meinem Leistungsniveau an, falls man überhaupt noch von Niveau sprechen kann. Der Lärmpegel der Zuschauer ist bereits 1km vor Selscheid schon erschreckend laut, so dass ich prompt die Bergwertung verpasse. Nach einem kurzen Stück Teerstraße kommt auch schon ein extrem steiler Schotteranstieg, den die meisten Mitstreiter auch schieben müssen. Da ich als ehemaliger Fußballer noch gut zu Fuß bin, kann ich immerhin zwei andere „Wandersleut“ überholen. Kurz noch an der nächsten Verpflegungsstation gestärkt und auf geht’s zum letzten Berg.

Es wird gegen Ende immer besser, vielleicht weil ich mich ja sooo geschont habe an den Bergen vorher. Kurz vor dem höchsten Punkt gehe ich nochmals an meine Leistungsgrenze, die vermutlich aktuell genauso hoch ist wie die einer Weinbergschnecke kurz nach dem Aufstehen. Ich schaffe es so eben, eine Gruppe noch zu überholen, bevor es in die Abfahrt geht. Ich lasse es so richtig krachen bergab, als es so richtig kracht bergab. Das Krachen ist aber eher ein Knallen und kommt von meinem Hinterrad. Der achso pannensichere Reifen ist geplatzt. Ich brauche etwa 4 Minuten, bis ich einen Schlauch eingezogen habe und weiter fahren kann. In der

Zwischenzeit haben mich wieder gefühlte mehrere hundert Fahrer überholt und ich meine, bei dem ein oder anderen ein Lächeln gesehen zu haben. Es kommen nun die Singletrails vom Hestenberg, die meine Stimmung wieder verbessern. Die letzten Kilometer durch Plettenberg gebe ich mit meinen Konkurrenten nochmals richtig Gas. Auf der Zielgeraden wird man von den Zuschauern wieder
angefeuert, dass man sich vorkommt wie ein Olympiasieger und nicht wie einer, der um Platz 500 gekämpft hat. Überglücklich wird man über die Bühnegeführt, interviewt und weitergeleitet in den hinteren Bereich, wo man eine Medaille und das heißbegehrte P-Weg-Finisher-T-Shirt bekommt und mit Getränken wieder ausreichend versorgt wird. Ichtreffe viele Kollegen, vor Allem Bergbeißer sind
bereits einige im Ziel. Jeder hat seine eigene Geschichte zu erzählen, warum er dieses Jahr nicht eine neue Rekordzeit hingelegt hat.

Nach der Grundreinigung des Bikes und von mir selber genieße ich den restlichen Tag im Plettenberger, feure noch dieletzten Ankömmlinge an und bestaune die schnellsten Biker bei der Siegerehrung. Verglichen mit mir sind dies alles Hungerlappen und wenn die Biker nicht in Altersklassen, sondern in Gewichtsklassen starten würden, wäre ich auch weiter vorne. Es ist ein rundum gelungenes Fest, welches langsam zu Ende geht. Zufrieden fahre ich abends nach Hause und träume schon vom nächsten Jahr, wie ich die Berge nur so hochfliege, wenn ich mal wieder richtig trainiere.

Montag, 10.09.2012 – noch 364 Tage bis zum P-Weg

Der Alltag hat mich wieder. Auf der Firma treffe ich viele Kollegen, die noch ihre Wunden lecken müssen oder den Muskelkater pflegen. Alle freuen sich schon aufs nächste Jahr. Ich ebenso und ich beginne mein neues Trainingsjahr, wie könnte es anders sein, mit einem Regenerationstag.
Kette rechts,
Bergbeißer Snowder