Die Teilnahme am P-Weg – für Berit ein Muss!

Der P-Weg – anspruchsvolle Strecken, Leidenschaft, Ehrgeiz, Schmerzen in jedem einzelnen Muskel des Körpers. Am ersten September-Wochenende befand sich Plettenberg mal wieder im absoluten Ausnahmezustand und ich konnte schon zum zweiten Mal nicht nur als Zuschauerin die Faszination des P-Weges spüren. Jeder, der den P-Weg schon einmal als Teilnehmer miterlebt hat, kann folgendes bestimmt bestätigen: Hat man den P-Weg einmal mitgemacht, führt kein Weg daran vorbei, auch im Folgejahr wieder dabei zu sein. Und so stellte sich für mich nach dem ersten erfolgreich absolvierten P-Weg gar nicht erst die Frage, ob ich auch 2015 wieder daran teilnehmen sollte. Übrigens: Mit “erfolgreich absolviert” behaupte ich keineswegs, dass ich eine Bestzeit gelaufen bin, sondern vielmehr, dass ich es irgendwie in das Ziel geschafft habe. Und genau das war auch dieses Jahr wieder mein Ziel. Gut, ich muss zugeben, eigentlich hatte ich mir nach dem P-Weg 2014 vorgenommen, meinen Bruder Torben nicht unbedingt zu schlagen, aber doch mindestens zusammen mit ihm ins Ziel zu laufen. Wie ich am P-Weg Wochenende allerdings leider feststellen musste, war das wohl eher naives Wunschdenken.

Vorher: Berit, Torben und Sven fiebern dem Startschuss entgegen

Vorher: Berit, Torben und Sven fiebern dem Startschuss entgegen

Doch beginnen wir von vorne: Um Punkt 7:00 Uhr klingelte mein Wecker und mir wurde bewusst: “Heute ist es so weit. In drei ein halb Stunden musst du 21 km mit viel zu vielen Höhenmetern laufen”. Schlagartig war ich hellwach. Doch der erste Blick aus dem Fenster trübte meine Stimmung. Unter einer dicken Wolkendecke schaffte es kein einziger Sonnenstrahl hervor. Schwerer Nebel und nicht aufhören wollender Regen waren alles andere als motivierend. Bei dem Sportlerfrühstück versuchten wir uns gegenseitig aufzumuntern. “Bei leichtem Regen läuft es sich besser. Man bleibt viel frischer.” In der Tat dachte ich an den letzten Lauf zurück und wie anstrengend es war, in der vorigen Woche 15,4 km bei dem Gerolsteiner Brückenlauf in Köln bei 34°C und beißender Sonne zu laufen. Es konnte also nur besser werden. Zumindest redete ich mir das erfolgreich ein. Je näher wir der Stadt kamen und je mehr Sportler ich sah, desto besser wurde meine Stimmung und größer meine Vorfreude auf den P-Weg. Auf die Aufwärmrunde verzichtete ich dieses Mal, denn immerhin sollte ich eh 21 km laufen. Wer braucht da noch mehr Kilometer? Und so ging es also unaufgewärmt und zusammen mit einer lieben Schulfreundin in die Startaufstellung. Noch kurz Runtatsic und Musik einschalten und schon konnte es losgehen. 3,2,1 und der Startschuss fiel. Es war etwas demotivierend, dass viele der Sportler an mir vorbeihuschten, mitunter meine besagte Schulfreundin. Aber ich erinnerte mich an das Vorjahr und die weisen Worte von Sven: “Verausgabe dich nicht gleich zu Beginn. Lauf einfach in deinem Tempo und lass Dich nicht von den anderen Teilnehmern beeinflussen”. Leichter gesagt als getan, denn was genau ist überhaupt mein Tempo? Aber gut. Ich lief also ganz entspannt die Grünestraße entlang, begleitet von dem tosenden Jubel der Menschenmassen am Seitenrand. Auch wenn ich es eigentlich schon von dem vergangenen Jahr gewohnt sein sollte, begeisterte mich die atemberaubend große Zuschauermassse auch dieses Jahr von Neuem. Dann kam auch schon der erste Anstieg und der hatte es in sich: die Wieckmerth. Als die Steigung langsam wieder weniger wurde, begann der P-Weg für mich erst richtig. Bald fand ich auch schon meine erste Laufpartnerin. Mali Schulz und ich nutzten gleich die Gelegenheit, um uns auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen. Wir hatten immerhin noch eine lange Strecke vor uns und so genug Zeit, um uns über Studium, Job und Stereotypen aus verschiedenen Bundesländern zu unterhalten. Und so vergaß ich fast, dass ich gerade einen Halbmarathon mitlief. Doch leider trennte uns der steile Anstieg in Landemert. Und so konzentrierte ich mich ganz auf die Strecke hoch zum Bärenberg. Meine Beine schmerzten und zitterten regelrecht. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Vorteil ist, die Strecke schon zu kennen und zu wissen, was für Anstiege man noch meistern muss. Aber eines bin ich mir sicher: In diesem Moment hätte ich vieles darum gegeben, nicht daran zu denken, wie lang und wie anstrengend der folgende Anstieg zum Bärenberg noch werden würde. Ich erinnerte mich daran, wie ich letztes Jahr vor jeder Kurve gehofft hatte, dass danach der Berg aufhören würde. Dieses Jahr wusste ich, dass dem nicht so sei und dass sich der Anstieg noch einige Kilometer ziehen würde. Nach einer kleinen Stärkung an dem perfekt positionierten Verpflegungsstand am Bärenberg schöpfte ich neuen Mut und lief weiter durch den gespenstischen Nebel bis ich endlich am Tanneneck ankam und wieder von Menschenmassen angefeuert wurde. Zum Glück können die Zuschauer nicht sehen, was hinter der Kurve nach dem Tanneneck passiert. Nachdem ich aus dem Sichtfeld von Freunden und der Familie war, verlangsamte ich schlagartig mein Tempo und schaffte den letzten Berg hinauf. Die Strecke um den Saley ist meine normale Trainingsstrecke in Plettenberg, dennoch kam sie mir an diesem Samstagvormittag weitaus beschwerlicher vor. Umso größer war meine Begeisterung, als ich endlich den Streckenposten von dem Single-Trail bereits aus weiter Entfernung erkannte. “Jetzt greifst du nochmal auf all deine Ressourcen zurück und läufst um dein Leben”, so meine Gedanken. Auch wenn die Erde sehr feucht und matschig war, die Wurzeln äußerst rutschig und die Kurven sehr scharf, so beschleunigte ich auf diesem Weg, auf dem es endlich mal wieder bergab ging, mein Tempo und überholte sogar noch zwei Mitläuferinnen – ein wirklich gutes Gefühl. In der Stadt angekommen wurde ich wieder von Menschenmassen empfangen und bejubelt, doch diese nahm ich kaum noch wahr, zu sehr waren meine Gedanken bei meinen schmerzenden Beinen und dem erlösenden Zieleinlauf. Vielen Dank nochmal an den netten Läufer, der mich auf der Zielgeraden animiert hat, noch einmal alles zu geben. Dank seiner Motivation und dem Jubel der Zuschauer gab ich alles, um es endlich ins Ziel zu schaffen. Nach 2 Stunden und 30 Minuten hatte ich es dann endlich geschafft. Ich bin tatsächlich im Ziel angekommen und habe 21 km mit 540 Höhenmetern überlebt. Und das sogar noch drei Minuten schneller als letztes Jahr – ein kleiner Erfolg also für mich!

Nachher: Stolze P-Weg Finisher unter sich

Nachher: Stolze P-Weg Finisher unter sich

Mein Resümee für den P-Weg 2015: Ich kann es kaum in Worte fassen, was die jubelnden Zurufe der Zuschauer, die aufmunternden Worte der Streckenposten und die mitreißenden Sprüche der Mitläufer in mir auslösen. Ich wurde oft gefragt, warum ich mir “sowas” antue. Es sind genau diese Menschen, die mich dazu bewegt haben, auch dieses Jahr an dem P-Weg teilzunehmen. Wenn ich an diesen und auch den letzten P-Weg zurückdenke, sehe ich nicht nur an die Strecke, die durch die nahezu unberührte Natur im Sauerland führt und die endlosen Wiesen, sondern auch die zahlreichen Zuschauer und ermunternden Gesichter von der Familie am Wegrand. Vor allem denke ich aber an dieses unbezahlbare Gefühl nicht nur der Erleichterung und Freude, sondern auch des Stolzes, es ins Ziel geschafft zu haben. Es heißt, man wächst mit seinen Aufgaben. Ich bin definitiv an dem P-Weg gewachsen und dafür bin ich dankbar.

Bilder: Privat