Geschafft – Der erste Halbmarathon ist überstanden!

sportograf-54612845_lowres

Plötzlich unter Blitzlicht auf der großen Marathon-Bühne: Berit Hamme absolvierte erfolgreich ihren ersten Halbmarathon

Pünktlich um Punkt 7:00 Uhr klingelte der Wecker. Schon war ich hellwach und mit dem Gedanken bei meiner ersten Teilnahme am P-Weg. Die ersten Blicke aus dem Fenster waren allerdings alles andere als motivierend. Unter einer dicken Wolkendecke schaffte es kein einziger Sonnenstrahl zum Vorschein und es lag schwerer Nebel in der Luft. Ich erinnerte mich kurz an die Aussagen vom Vortag von meinen Mitläufern: “Also bei Regen laufe ich auf keinen Fall mit” – kurz kam auch bei mir die Frage auf, ob ich mir das wirklich antuen möchte. Vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich noch nie in meinem Leben ganze 21 km mit mehr als 400 Höhenmetern am Stück gelaufen bin. Doch jetzt ist es auch zu spät. Ein Rückzieher würde feige wirken und außerdem packt mich mein sportlicher Ehrgeiz. Also geht es schnell raus aus dem Bett und ab in das Schwimmbad – ein Kälteschock, doch nach den ersten Bahnen bin ich wach und fit. Bei dem folgenden ausgedehnten Sportlerfrühstück wurden noch diverse Tipps ausgetauscht. Wobei diese, anstatt mich zu motivieren, eher das Gegenteil bewirkten: Mittlerweile war ich vollends nervös. Doch je näher wir der Stadt kamen und je mehr Sportlern ich begegnete, desto mehr Lust verspürte ich auf einmal, die 21 km hinter mich zu bringen.

sportograf-54614648_lowres

Das große Teilnehmerfeld wartet gespannt auf den Startschuss des 10. P-Weg-Marathons

Nach einer schnellen Aufwärmrunde von dem Maiplatz zur Lohmühle, den letzten Toilettengängen (ja, ich habe anscheinend eine nervöse Blase) und den letzten Vorbereitungen ging es nun endlich in die Startaufstellung. “Startnummer 2749 – Das muss einfach meine Glückszahl sein”, redete ich mir ein. Nach einigen Worten der Moderatoren war ich schon richtig begierig darauf, endlich loszulaufen. Aber dem war nicht so. Erst führten noch die Frauen vom FeelGood ihre Zumba-Show auf, von der ich rein gar nichts mitbekam. Und dann kam alles ganz plötzlich. Anscheinend war die Zumba-Show zu Ende und der Moderator zählte auf einmal runter: 3, 2, 1 und los!

sportograf-54613197_lowres

Los geht es! Berit ist auf den ersten Metern ihres ersten Halbmarthons

Ich wusste gar nicht wie mir geschah, aber meine Füße fingen an, sich wie von alleine zu bewegen. Und los ging es. Natürlich kannte ich die Strecke nicht wirklich. Auch wenn mir oft versucht wurde, die Strecke zu erklären, so habe ich bis zuletzt nicht wirklich verstanden wo es hergehen sollte. Daher dachte ich mir, sei es wohl das Beste, einfach den Menschenmassen hinterher zu laufen. Leichter gesagt als getan. Denn gleich zu Beginn überholte mich eine Vielzahl an Läufern. Doch ich erinnerte mich an die weisen Worte von meinem Freund: “Du darfst dich nicht gleich zu Beginn auspowern. Das Feld wird von hinten erobert”. Auch wenn ich die Worte bisher nie wirklich ernst nahm, so langsam entdeckte ich die Wahrheit dahinter. Und so trabte ich locker die Grünestraße entlang, begleitet von dem tosenden Jubel der Menschenmassen am Seitenrand.

sportograf-54611704_lowres

Zusammen mit den Mitläufern im Kampf gegen die Uhr und den inneren Schweinehund

Und dann kam auch schon der erste Berg: die Wickmerth. Trotz der anfeuernden Menschen musste ich einfach den Berg hochgehen. Ja, es war mir peinlich, aber immerhin sollte ich mich ja nicht gleich zu Beginn auspowern. Zwischendurch versuchte auch mein Bruder noch, mich zum Laufen zu bewegen: “Komm Berit häng dich einfach hinten an mich ran”. Nichts da, ich konnte einfach nicht. Als die Steigung wieder langsam abnahm, fing der P-Weg bei mir erst richtig an und so lief ich was das Zeug hielt. Auf der Strecke habe ich immer wieder nette Leute getroffen und mich nett mit ihnen unterhalten. Es machte mich allerdings schon etwas stutzig, dass ich mit einer Frau zusammen gelaufen bin, die mir dann noch erzählte, dass sie 54 Jahre alt sei und ich mit meinen 24 Jahren doch noch viel fitter und schneller sein müsste als sie. Hinterher hängte sie mich locker ab. Doch ich lies mich davon gar nicht beeindrucken, immerhin lautete mein Motto: Einfach nur irgendwie im Ziel ankommen. Dieses Motto wurde auf der Strecke zum Bärenberg hoch regelrecht mein neues Mantra. Meine Beine schmerzten bei jedem weiteren Schritt. Ein Schmerz, den ich noch nie vorher gespürt habe. Nicht meine Ausdauer war das Problem, sondern die Berge, die meine Beine nicht gewohnt waren. “Wann ist denn dieser Berg endlich zu Ende?” – meine Gedanken drehten sich nur noch darum, wie weit es noch bergauf gehen sollte. Meine Blicke schweiften nach links und rechts und ich dachte mir, dass es gar nicht mehr weit sein kann, denn der Himmel schien schon so nah. Und dann kam ein Verpflegungsstand, der mich rettete und meine Gedanken ablenkte. Mit einer Cola und der darin enthaltenen ordentlichen Dosis Zucker, weckte ich meinen Ehrgeiz und lief weiter durch den gespenstischen Nebel bis ich endlich am Tanneneck ankam und wieder von Menschenmassen angefeuert wurde. Zum Glück sehen die Zuschauer nicht, was hinter der Kurve nach dem Tanneneck passiert.

IMG_4706

Begleitet von tosendem Beifall passiert Berit die letzten Kilometer

Nachdem ich aus dem Sichtfeld der jubelnden Familie und Bekannten war, konnte ich mein Tempo wieder etwas verlangsamen um irgendwie den letzten Berg hinaufzukommen. Glücklicher Weise ging es nicht nur mir so. Die Strecke um den Saley ist meine normale Trainingsstrecke in Plettenberg. Eigentlich sollte ich diese also gut kennen. Doch am P-Weg Samstag kam mir der Weg weitaus beschwerlicher und steiler vor. So jubelte mein Herz, als ich den Single-Trail bereits aus weiter Entfernung erkannte. Eine kurze Frage an den Streckenposten, wie weit es noch sei und die knappe und doch ermunternde Antwort: “Nur noch zwei Kilometer, die schaffst du jetzt auch noch locker” steigerten mein Tempo wieder. “Jetzt holst du nochmal alles raus”, dachte ich mir und so rannte ich als hinge mein Leben davon ab.

sportograf-54614319_lowres

Die mit einigen Höhenmetern bespickte Strecke fordert den Läufern einiges ab

Geplagt von schmerzenden Beinen und Seitenstichen überholte ich auf den letzten zwei Kilometern bestimmt noch drei Mitläufer, ein gutes Gefühl. In der Stadt angekommen wurde ich wieder von Menschenmassen empfangen und bejubelt, doch ich nahm diese kaum noch wahr, zu sehr waren meine Gedanken schon bei dem erlösenden Zieleinlauf. Nach 2 Stunden und 33 Minuten hatte ich es dann endlich geschafft, auch wenn ich meine Beine nicht mehr wirklich spüren konnte. Ich bin tatsächlich im Ziel angekommen. Die Freudentränen ließen sich kaum noch unterdrücken.

sportograf-54615374_lowres

Geschafft: Berit hat ihren ersten Halbmarathon erfolgreich gemeistert

Mein Resümee: Vollkomme Begeisterung. Die jubelnden Zuschauer sowie die zahlreichen Helfer an den Verpflegungsständen, die mich nicht nur mit dem dringend benötigten Wasser, sondern vor allem mit aufmunternden Worten unterstützten – es sind diese Menschen, die mich dazu bewegten, immer weiter zu laufen, auch wenn ich eigentlich dachte, es ginge nicht mehr. Und so werde ich mehr trainieren – dieses Mal auch Berge – und 2015 meinen zweiten P-Weg Halbmarathon mitlaufen.

IMG_2926

Die beiden Bergbeißer Torben (links) und Sven (rechts) freuen sich zusammen mit Berit über das erfolgreiche Abschneiden

Fotos: Sportograf (6) / Privat (2)