Ghostrider on (first offroad) Tour 2014

Es war Karnevalssamstag, das Wetter, zumindest von oben, gut, meine Stimmung hervorragend. Ich überlegte mir eine Tour um die Lister, schwang mich aufs Rad und düste los.

Ich nahm sofort den ersten Waldweg und stürzte mich den Berg hinunter. Leider blieb ich fast im Schlamm stecken, in diesem Moment fiel mir auch auf, dass ich die Schutzbleche vergessen hatte. Ich kam in dem Ort Beukenbeul  (gehört zum lokalen Weltkulturerbe) an und fühlte mich wie Ghostrider, nur, dass mir keine Flammen aus dem Körper schlugen sondern der Schlamm aus den Ohren kam.  Die ersten Jugendlichen, die mir begegneten, starrten mich wie einen Außerirdischen an, da hatte ich gerade mal 700m auf dem Tacho. Ein Ort weiter kam mir ein junges Mädchen im Auto entgegen. Erst dachte ich, sie lächelt mich an, dann wusste ich, sie lacht sich kaputt. Vermutlich stellte sie sich vor, wie ich die Grundreinigung mit einer Spitzhacke beginnen muss.

20140301_123611

Dann kam ich an die erste Steigung. Ich hatte zuvor von einem Red Bull Bergrennen mit 18% Steigung über 350m gelesen.  Ich hatte mir beim Lesen noch vorgestellt, wie ich selber den Berg hochsprinte. Als ich fahrenderweise die 15% Steigung erklomm, konnte ich entgegenkommenden Fußgängern nur freundlich zunicken, für ein „Guten Morgen“ reichte die Luft einfach nicht. Nach gefühlten 20 Minuten hatte ich das Hügelchen bezwungen.

Die nächsten Kilometer verliefen dann auch weitestgehend normal. Auf der anderen Seite der Lister kam erst die nächste bergtechnische Herausforderung, diese war etwas länger und ich nahm mir gequält vor, bis oben durchzuhalten und dann erst anzuhalten. Dies schaffte ich auch, hielt erst oben an, klickte mit dem linken Fuß aus und fiel beim Griff zur Trinkflasche nach rechts um. Im Fallen stützte ich mich auf der Trinkflasche ab, die sich öffnete und dann auslief. Am Boden liegend und aus dem Augenwinkel heraus sah ich einen Unimog mit vermutlich Waldarbeitern, der sich näherte. Aus dem Schaukeln des Unimog schloss ich, dass sich die Insassen gerade köstlich amüsierten. Professionell sammelte ich alles Verlorene ein, schwang mich aufs Rad und suchte das Weite.

20140301_123643

 Nachdem ich das nächste Tal durchquert hatte, sah ich an der nächsten Steigung  3 Konkurrenten im Kampf um die Mountainbike-Krone.  Mein Ehrgeiz sagte mir, die musst Du jetzt förmlich wegblasen, am besten so, dass sie es erst merken, wenn ich schon 100m vorbeigeflogen bin. Ich holte Schwung und näherte mich den Dreien. Vermutlich hatte ich zu früh begonnen, Schwung zu holen, so dass aus dem Vorbeifliegen ein vorsichtiges Annähern wurde. Bei Erreichen des letzten Fahrers stellte sich dieser als „leicht“ übergewichtige Dame heraus, die ihrem vorausfahrenden etwa 5 jährigen Sohn „Achtung Fahrradfahrer“ zurief. Ich antwortete mit einem „So ell i i au ich ueks“, was eigentlich „So schnell bin ich auch nicht unterwegs“ heißen sollte. Leider bekam ich keinen ganzen Satz heraus, da sich mein körperlicher Arbeitsbereich gerade bei etwa 10 Schlägen über der maximalen Herzfrequenz befand.  Den vorausfahrenden Vater mit Satteltaschen und Rucksack bepackt, der mir etwas freundlich zurief, musste ich dann leider ignorieren. Er möge es mir verzeihen, wenn er jemals diese Zeilen liest.

Es ging die letzten Kilometer noch etwas auf und ab und nach insgesamt 2 Stunden hatte ich das Ziel, die warme Badewanne, erreicht.

Was für Heldentaten ein Mann im Leben doch vollbringt, ich bin stolz auf mich.

Der Ghostwriter alias Snowder alias Martin S.

PS: Den Dreck sieht man leider auf den Fotos nicht so gut, dafür umso besser auf einem hellen Fliesenboden, wenn man in voller Montur durchs Haus gelaufen ist.

12955648-verargerter-emoticon-zeigefinger-zu-drohen

(das ist übrigens meine Frau 0,5 Sekunden später)