Nach der Unterbrechung war die Luft raus

“Willst Du nächste Woche nicht auch zum Hockenheimring kommen?” – “Ja, warum eigentlich nicht!” Lukas’ Frage und meine knappe Antwort hatten das Schicksal besiegelt. Kurz entschlossen meldete ich mich für das zweite Rennen im Rahmen des German Cycling Cups auf dem Hockenheimring an. Na klar, die 120 km sollten es werden – auf dem Rennrad und ohne Höhenmeter, kein Problem! Lange war ich nicht mehr so gutgläubig, aber später mehr dazu. Am Samstag war also der Tag gekommen, an dem ich mich zusammen mit Thomas und Lukas am Hockenheimring verabredete, um dort auf der legendären Formel 1 Strecke auf Rundenjagd zu gehen.

Bei Kaiserwetter voller Vorfreude auf das Rennen: Lukas, Thomas und Sven

Bei Kaiserwetter voller Vorfreude auf das Rennen: Lukas, Thomas und Sven

Bei bestem Wetter und nahezu sommerlichen Temperaturen trafen wir drei Bergbeißer fast zeitglich im Fahrerlager ein. Startnummern montieren, Trikot an und auf einer kurzen Einrollrunde die Beine locker machen – es war alles angerichtet. Während Thomas und Lukas schon den einen oder anderen Rennkilometer plus unzählige Trainingskilometer in den Beinen hatten, stand ich relativ jungfräulich im Startblock. Egal, ich hatte richtige Lust auf das Rennen. Das gute Wetter, die faszinierende Kulisse und die vielen netten Kollegen – was sollte auf den uns bevorstehenden 26 Runden schon schiefgehen.

Das angespannte Teilnehmerfeld wartet auf den Startschuss

Das angespannte Teilnehmerfeld wartet auf den Startschuss

Der Startschuss war noch nicht ganz gefallen, da machte sich im Feld die gewohnte Hektik breit. Gleich zu Beginn möglichst weit vorne eine gute Gruppe erwischen, das war die Devise. Während sich Lukas, dicht gefolgt von Thomas direkt einen Platz in der Spitzengruppe sicherte reihte ich mich in einer fixen Verfolgergruppe ein. Und siehe da, es passte. Runde für Runde legte sich die Hektik und die Gruppe harmonierte sehr gut zusammen. Leider musste ich Lukas nach nur zwei Rennrunden fluchend am Streckenrad erblicken. Eine defekte Kette ließ seinen Traum von einer Spitzenplatzierung schon früh im Rennen platzen. In der sechsten Runde wurde dann auch unser D-Zug gebremst. In einer vorderen Gruppe kam es zu einem schweren Sturz, der den Einsatz eines Rettungshubschraubers nach sich zog. Folglich entschied die Rennleitung auf Rennabbruch. Streckenposten leiteten das Fahrerfeld der 120 und 60 km Runde in die Boxengasse. An dieser Stelle wünschen wir dem Verunfallten alles Gute und eine schnelle Genesung!

Warten statt Radeln beim GCC auf dem Hockenheimring

Warten statt Radeln beim GCC auf dem Hockenheimring

Sobald der Rettungseinsatz auf der Strecke beendet war, sollte das Rennen neu gestartet werden. Dass sich während der Unterbrechung jedoch ein Unwetter über der Rennstrecke breit machte, erschwerte die Entscheidung der Rennleitung. Starkregen und aufkommende Blitze um den Ring zwangen unser Bergbeißer Trio dazu, sich beim nächstbesten Getränkestand unterzustellen. Zahlreiche Teilnehmer nahmen den abrupten Wetterumschwung zum Anlass, den verfrühten Heimweg anzutreten. Radrennen auf Motorsport-Rennstrecken und Wetterkapriolen – das passte für uns irgendwie zusammen. Zu oft wurden wir bei Rad am Ring auf der Nürburgring Nordschleife Zeuge “besonders suboptimaler” Zustände. Also entschlossen wir uns dazu, erst einmal eine Entscheidung der Rennleitung abzuwarten. Kurz nachdem wir uns profilaktisch schon einmal die Regenklamotten anlegten kamen dann auch die erwarteten Informationen: Das Rennen wird mit verkürzter Distanz neu gestartet (10 Runden). Alle bis dato absolvierten Runden sollten aus der Wertung fallen. Na gut, auf ein Neues. Durchnässt und nach wie vor von teils weltuntergangsähnlichen Wetterbedingungen begleitet fanden wir uns gerade noch rechtzeitig zum Restart auf der Start/Ziel Gerade ein.

Geplagt vom Regen bahnt sich Sven seinen Weg durch das Motodrom

Geplagt vom Regen bahnt sich Sven seinen Weg durch das Motodrom

Zwar gesitteter und mit einer den Streckenbedingungen entsprechendenen Vorsicht drückte das Feld gleich von Start an auf das Tempo. Während mein Garmin für die Runden vor dem Rennabbruch noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 km/h ausspuckte, sollte die Tachonadel auch auf regennasser Strecke nicht unter 40 km/h fallen. Vielleicht doch etwas zu viel des Guten. Denn anders als noch vor der Unterbrechung war sich unsere Gruppe nun uneins über die zu verrichtende Führungsarbeit. Zusammen mit drei anderen Mitstreitern nahm ich das Heft des Handelns in die Hand und gab mächtig Druck auf die Pedale – dumm und naiv, wie ich später feststellte. Denn nach sechs zurückgelegten Runden explodierte mein Motor. Eine halbe Runde lang versuchte ich noch verzweifelt, mich vom Sog der Gruppe mitreißen zu lassen, ehe die bissigen Beschleunigungsphasen nach den Kurven für meine Isolation sorgten. Hervorragend, ohne Gruppe und bei erneut einsetztendem Regen war ich allein im Schneckentempo unterwegs. Was hätte ich jetzt für einen knackigen Berg gegeben, auf dessen Abfahrt ich mich hätte regenerieren können. Naja, es hatte keinen Zweck mehr, fortan radelte ich mein eigenes Rennen – nicht auf Platzierung, sondern auf Ankommen!

Zu schnell für den Fotografen und trotzdem alleine auf weiter Flur: Lukas nimmt den technischen Defekt mit Galgenhumor

Zu schnell für den Fotografen und trotzdem alleine auf weiter Flur: Lukas nimmt den technischen Defekt mit Galgenhumor

Die Moral im Team musste einen weiteren Dämpfer hinnehmen, als Lukas nach bravoröser Aufholjagd erneut mit Materialschaden auf dem Grünstreifen wiederzufinden war. Einzig Routinier Thomas zeigte sich unbeeindruckt von den äußeren Umständen und spulte Runde für Runde im Affenzahn ab.

Nicht einmal mehr motiviert, um für die Sportografen den Hampelmann auf dem Rad zu machen, rollte ich sichtlich schlecht gelaunt über die Ziellinie. Meine Laune hob sich jedoch gleich nachdem ich Thomas und Lukas auf mich wartend vor der Boxengasse erblickte. Zusammen mit Thomas freuten wir uns über sein starkes Ergebnis: 7. Platz in der Master 4-Klasse! Zur Belohnung gab es im Zielbereich ersteinmal das verdiente Bier, dass wir uns während der Rennunterbrechung schon einmal vorab reservierten.

Das oligatorische Finisher-Bier hatte sich das Bergbeißer-Trio verdient

Das oligatorische Finisher-Bier hatte sich das Bergbeißer-Trio verdient

Unzufrieden mit dem Rennverlauf aber dennoch irgendwie auch froh, ein chaotisches Rennen hinter mich gebracht zu haben, trat ich am Abend die Heimfahrt ins Schwabenland an. Irgendwie fühle ich mich auf dem MTB einfach wohler, sodass Thomas und Lukas beim nächsten GCC-Lauf wohl wieder ohne mich auskommen müssen – jedenfalls auf der Strecke.

In diesem Sinne noch einen schönen Restsonntag,

Sven

Fotos: Team Bergbeißer (4), Sportograf (2)