Tagebucheinträge zum P-Weg 2012

P-Weg 2012

Dieses spannende Tagebuch zum “P-Weg 2012″ wurde netterweise von unserem Mitglied Martin Schneider geschrieben.

Er berichtet dort von seinen Erfahrungen vor, während und nach dem P-Weg 2012. Wir wünschen viel Spaß mit dem humorvollen Erfahrungsbericht.

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Freitag, 07.09.2012 – 2 Tage bis zum Showdown

Direkt von der Arbeit gehe ich zur Startnummernausgabe, treffe viele Bergbeißer mit dem gleichen Ansinnen und wie nicht anders zu erwarten, funktioniert alles wie am Schnürchen. Zuhause angekommen, will ich noch eine kurze Testrunde machen, der Reifen ist leider platt. Schnell wiederaufgepumpt, die Dichtmilch schüttelnderweise nochmals verteilt, kurze Runde gedreht und dann eine Kerze aufgestellt und gebetet, daß Sonntags alles dicht ist.

Samstag, 08.09.2012 – Gnadenlos läuft der Countdown

 

Der P-Weg 2012 war ein absolutes Highlight für das Team Bergbeißer

Nachdem gestern das Kids-Race war, starten heute die Läufer, Nordic-Walker und Wanderer. Ich bin erst zum 21km-Rennen vor Ort
und schaue mir den Start an. Die Marathonistis über die 42kmStrecke und die Wahnsinnigen über die 67km Strecke sind bereits unterwegs. Das Wetter ist perfekt, die Stimmung erreicht mit dem Start den ersten Höhepunkt. Ich fahre zwecks weiterer Testrunde mit dem MTB nach Landemert, um dort an verschiedenen Streckenpunkten die Sportler anzufeuern.

Man glaubt es kaum, aber es stehen bereits hundertevon enthusiastischen Zuschauern am Rand, die mit einer Lautstärke von mehreren startenden Düsenjets die Sportler zu Höchstleistungen treiben. Es sind viele Arbeitskollegen am Start, die ich natürlich besonders anfeuere. Auf geht’s zurSehnsuchtsbirke. Hier haben die Sportler den kräftezehrenden Anstieg von der Steinkuhle bis zumBärenberg hinter sich, das alles in praller Sonne. Gut, dass es 4 Verpflegungsstellen auf der gesamten Strecke gibt und das mit freundlichen Helfern, die ihresgleichen suchen.

Von der Sehnsuchtsbirke aus sind es „nur“ noch 5 km, allerdings kommt auch der letzte Trail, der einigen ausgepumpten und unkonzentrierten Sportlern Kopfzerbrechen und offene Knie bereitet. Im Zielbereich toben wieder die Zuschauer und feuern vom ersten bis zum letztenSportler nochmals alle an. Plettenberg kann stolz sein auf ein solches Event mit sportlichen Höchstleistungen, einer perfekten Organisation und dem besten Helferteam der Welt. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Tag, an dem ich als Biker teilnehmen kann.

Sonntag, 09.09.2012 – Der Tag X ist gekommen

Der Tag ist da und ich freue mich gar nicht mehr sowie gestern. Es nützt alles nichts, ich will mich vor meiner Frau nicht blamieren. Die letzten Sachen werden noch gepackt und ab geht’s zum P-Weg nach Plettenberg. Ich feure noch die Starter über die 87-km-Langstrecke an, bevor ich mich selber zum Start für die 42 km mit 1100 Höhenmetern mache.Das Thermometer zeigt bereits über 20°C, im
Laufe des Rennens wird die Quecksilbersäule auf 28°C steigen. Während mein Fahrrad schon im Startbereich wartet, vertreibe ich mir die Zeit aufgrund der Nervosität und der damit verbundenen Magenprobleme in der Keramikabteilung der extra dafür aufgestellten Häuschen.

Pünktlich zum Start bin ich natürlich zurück und erleichtert kann es losgehen. Der Startschuss erfolgt, das Publikum tobt
und mit einer Gänsehaut rolle ich durch die Stadt. Doch nach wenigen Sekunden geht die Hetzjagd los und jeder möchte sich eine gute Ausgangsposition für den Anstieg zur Sehnsuchtsbirke hochverschaffen. Ich halte mich zurück, um nicht zu viel Kraft schon am ersten Berg zu vergeuden. Bei dieser taktisch klugen Meisterleistung werde ich von „gefühlten“ 500 Bikern überholt. In Wirklichkeit sind es wahrscheinlich nur 490. Auf geht es durch den Torbogen und der erste Berg ist geschafft.

Auf der Abfahrt nach Pasel kann ich wieder ein paar Plätze gut machen, da ich die Strecke gut kenne. Trotzdem muss man ständig auf der Hut sein, da man für mindestens 10 Fahrer mitdenken muss, was mir bei einem Puls jenseits der Schmerzgrenze schwer fällt. In Pasel wird man wieder angefeuert, als ob es um Leben und Tod geht. Und dann kommt er, der Große, der Unendliche, der Gewaltige. Vielen ist er eher als Anstieg zur Hohen Wibbecke bekannt,der längste Anstieg mit den fiesesten Steilrampen. Hier fallen die ersten erschöpft vom Rad, andere müssen sich übergeben, und das nicht, weil sie ihr Gewicht reduzieren wollen. Ich reihe mich in die endlose Schlange der Masochisten ein und trete stumpfsinnig in die Pedale.

Ich mache mir gerade Vorwürfe, dass ich auch noch Geld für diese Quälerei bezahlt habe, als ich absteigen und schieben muss, da vor mir bei Tempo 5 jemand aus dem Rhythmus gekommen ist. Mit Tempo 5 meine ich übrigen 5 km/h, was sowieso schon fahrerisches Können voraussetzt, nicht umzufallen. Da ich auch hier meine Kräfte einteilen möchte (und muss), werde ich von weiteren gefühlten 300 Bikern überholt, leider auch von welchen, die mich erkennen. Die letzte Rampe werde ich wieder von einer Welle der Begeisterung hochgetragen. Vor lauter Freude, den Riesen bezwungen zu haben, verliere ich meine Sonnenbrille, fahre zunächst selber drüber und dann auch noch die hinter mir fahrenden Kollegen. Ein Zuschauer bringt mir den Bausatz freundlicherweise, so dass ich zügig weiterfahren kann.

Die erste Verpflegungsstation kommt und vorschriftsmäßig nehme ich reichlich Getränke und eine Banane zu mir. Es geht auf einem welligen Kurs weiter bis es auf einer ruppigen Abfahrt nach Blemke geht. Nach Überquerung der Hauptstraße und dann unter der Unterführung durch geht es direkt zur nächsten Verpflegungsstation, wo ich mich wieder mit reichlich Getränken eindecke, mit freundlicher Unterstützung eines Arbeitskollegen. Über den Radweg geht es zunächst bis zum Altersheim, wo man in mehreren Schleifen durch den Garten geleitet wird. Die Stimmung ist hier nicht ganz so überschwenglich wie an anderen Stellen und ich habe den Eindruck, dass letztes Jahr auch noch mehr Zuschauer zugegen waren.

In einer kleineren Gruppe,der ich mich angeschlossen habe, geht es über den Radweg weiter in Richtung Aqua Magis. Gerade, als ich überholen möchte (welcher Zufall), beginnt das Überholverbot. Dieses macht auch Sinn, da man nun unter tosendem Applaus über eine Rampe auf ein Gerüst fahren muss. Oben angekommen sieht man wieder hunderte von schreienden und zujubelnden Zuschauern. Mir läuft es kalt den Rücken runter als ich über eine Rampe das Gerüst wieder verlassen muss.

Zurück auf den Radweg und die Post geht wieder ab. Nun muss man taktieren und sich einen schnellen Fahrer suchen, um in dessen Windschatten zu fahren um Kräfte zu sparen. Da vor mir kein geeigneter Fahrer zu sehen ist, gebe ich selber Gas und verausgabe mich bis Hilfringhausen völligst. Dort angekommen, überholen mich sofort 5 Fahrer, die sich in meinem Windschatten ausgeruht haben. Clever, diese Mountainbiker, leider nicht alle.

Ich fahre weiter Richtung Selscheid, muss noch einen Bach durchqueren, in den ich mich am liebsten reinlegenmöchte und schließe mich dann aber doch lieber einer kleinen Gruppe mit meinem Leistungsniveau an, falls man überhaupt noch von Niveau sprechen kann. Der Lärmpegel der Zuschauer ist bereits 1km vor Selscheid schon erschreckend laut, so dass ich prompt die Bergwertung verpasse. Nach einem kurzen Stück Teerstraße kommt auch schon ein extrem steiler Schotteranstieg, den die meisten Mitstreiter auch schieben müssen. Da ich als ehemaliger Fußballer noch gut zu Fuß bin, kann ich immerhin zwei andere „Wandersleut“ überholen. Kurz noch an der nächsten Verpflegungsstation gestärkt und auf geht’s zum letzten Berg.

Es wird gegen Ende immer besser, vielleicht weil ich mich ja sooo geschont habe an den Bergen vorher. Kurz vor dem höchsten Punkt gehe ich nochmals an meine Leistungsgrenze, die vermutlich aktuell genauso hoch ist wie die einer Weinbergschnecke kurz nach dem Aufstehen. Ich schaffe es so eben, eine Gruppe noch zu überholen, bevor es in die Abfahrt geht. Ich lasse es so richtig krachen bergab, als es so richtig kracht bergab. Das Krachen ist aber eher ein Knallen und kommt von meinem Hinterrad. Der achso pannensichere Reifen ist geplatzt. Ich brauche etwa 4 Minuten, bis ich einen Schlauch eingezogen habe und weiter fahren kann. In der

Zwischenzeit haben mich wieder gefühlte mehrere hundert Fahrer überholt und ich meine, bei dem ein oder anderen ein Lächeln gesehen zu haben. Es kommen nun die Singletrails vom Hestenberg, die meine Stimmung wieder verbessern. Die letzten Kilometer durch Plettenberg gebe ich mit meinen Konkurrenten nochmals richtig Gas. Auf der Zielgeraden wird man von den Zuschauern wieder
angefeuert, dass man sich vorkommt wie ein Olympiasieger und nicht wie einer, der um Platz 500 gekämpft hat. Überglücklich wird man über die Bühnegeführt, interviewt und weitergeleitet in den hinteren Bereich, wo man eine Medaille und das heißbegehrte P-Weg-Finisher-T-Shirt bekommt und mit Getränken wieder ausreichend versorgt wird. Ichtreffe viele Kollegen, vor Allem Bergbeißer sind
bereits einige im Ziel. Jeder hat seine eigene Geschichte zu erzählen, warum er dieses Jahr nicht eine neue Rekordzeit hingelegt hat.

Nach der Grundreinigung des Bikes und von mir selber genieße ich den restlichen Tag im Plettenberger, feure noch dieletzten Ankömmlinge an und bestaune die schnellsten Biker bei der Siegerehrung. Verglichen mit mir sind dies alles Hungerlappen und wenn die Biker nicht in Altersklassen, sondern in Gewichtsklassen starten würden, wäre ich auch weiter vorne. Es ist ein rundum gelungenes Fest, welches langsam zu Ende geht. Zufrieden fahre ich abends nach Hause und träume schon vom nächsten Jahr, wie ich die Berge nur so hochfliege, wenn ich mal wieder richtig trainiere.

Montag, 10.09.2012 – noch 364 Tage bis zum P-Weg

Der Alltag hat mich wieder. Auf der Firma treffe ich viele Kollegen, die noch ihre Wunden lecken müssen oder den Muskelkater pflegen. Alle freuen sich schon aufs nächste Jahr. Ich ebenso und ich beginne mein neues Trainingsjahr, wie könnte es anders sein, mit einem Regenerationstag.
Kette rechts,
Bergbeißer Snowder