Unvergessen – der P-Weg 2017

Vor genau einer Woche lag ich zu dieser Zeit zwar völlig erschöpft, aber dennoch zufrieden und stolz auf dem Sofa. Nachdem der angespannte Oberschenkelmuskel mit Pferdesalbe, der leere Magen mit Energie und das verschmutzte Bike mit jeder Menge Wasser versorgt waren, konnte ich mich entspannt zurücklehnen. Bevor die aufkommende Müdigkeit Herr über meinen Körper wurde, spielten sich die zurückliegenden drei Tage noch einmal vor meinem inneren Auge ab. Auch wenn es für mich selbst erst am Samstagvormittag ernst werden sollte, packte mich das P-Weg Fieber schon am Freitagabend. Die Rennstrecke war bereits abgesperrt, unzählige Sportler tummelten sich mit ihren neon-gelben Starterbeuteln in der Stadt und die Moderatoren stimmten lautstark alle Besucher auf das Sportwochenende ein – der P-Weg hatte Plettenberg und auch mich fest in der Hand. Unbeirrt vom strömenden Regen machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt und jubelte am Streckenrand den jüngsten Teilnehmern entgegen. Denn traditionsgemäß gehörte der Freitagabend den Schülern und Jugendlichen, die in Laufschuhen oder auf dem Rad auf Rundenjagd gingen. Aus Bergbeißer-Sicht durften wir uns schon zum Auftakt über die eine oder andere Spitzenplatzierung des Nachwuchses freuen. An dieser Stelle also schon einmal Glückwunsch! Ihr habt uns eindrucksvoll vorgemacht, wie man dem schlechten Wetter mit viel Freude und Ehrgeiz trotzen kann.

Schon am Freitagabend befindet sich Plettenberg im Ausnahmezustand

Schon am Freitagabend befindet sich Plettenberg im Ausnahmezustand

Nachdem alle Starter wohl behalten das Ziel erreicht hatten, die letzte Portion Pasta verspeist war und der erste Durst mit „alkoholfreiem“ Weizen gestillt war, machte auch ich mich an die Vorbereitungen des bevorstehenden Halbmarathons. Vorbereitungen sollte in meinem Falle bedeuten: Schuhe rausstellen und ab ins Bett! Zur Erledigung des Restes musste der Wecker am nächsten Tag eben eine halbe Stunde früher klingeln. Am Samstagmorgen sollte der P-Weg dann auch den letzten Bergbeißer in verschiedenen Konstellationen in seiner Hand haben. Hier einmal vier exemplarische Möglichkeiten, wie ein Samstagmorgen eines Bergbeißers aussehen kann:

  • Als Bergbeißer lässt man das gewohnte blau-orangene BB-Outfit im Kleiderschrank, schmeißt sich stattdessen in die P-Weg Helferkluft und macht sich auf den Weg nach Ehlhausen, um dort beim Aufbau des Verpflegungsstandes zu helfen. Ist das Zelt erst einmal aufgestellt, die Bierzeltgarnituren positioniert und alle Kuchen angeschnitten, heißt es Warten – Warten auf den ersten Läufer der Langdistanz. Von nun an wird das Ganze zum Selbstläufer. Alle Teilnehmer werden bestmöglich mit Energienachschub, Motivation und Hinweisen unterstützt!
Am Verpflegungsstand der Bergbeißer gab es für die Teilnehmer neben Regen vor allem jede Menge Engergienachschub und Motivation

Am Verpflegungsstand der Bergbeißer gab es für die Teilnehmer neben Regen vor allem jede Menge Engergienachschub und Motivation

  • Als Bergbeißer wechselt man die Seite und steht nicht hinter dem Verpflegungsstand, sondern läuft vielmehr an diesem vorbei. So z.B. Christiane und Tochter Catharina, die als Marathonwanderer an den Start gingen. Viel Zeit ließen sich die Beiden beim Passieren des teaminternen Verpflegungsstandes nicht. Anders ist die Tatsache nicht zu erklären (so viel sei an dieser Stelle vorweg genommen), dass Catharina nach 7:40 Stunden den Altersklassensieg (WJ A) ergattern konnte.
Catharina und Christiane fieber ihrem P-Weg Start entgegen

Catharina und Christiane fieber ihrem P-Weg Start entgegen

  • Als Bergbeißer sitzt man am frühen Samstagmorgen bereits im Auto, um weite Anreisen aus Bayern, der Schweiz oder Frankreich anzutreten. Was tut man nicht alles, um einmal im Jahr Teil dieses großen Events zu werden…
  • Als Bergbeißer bleibt man noch eine Stunde länger im Bett liegen, um sich dann aber umso vorbereiteter kurz vor dem Start der Halbmarathondistanz in der Innenstadt einzufinden.
Torben, Sven und Berit sind vor dem Start guter Dinge

Torben, Sven und Berit sind vor dem Start guter Dinge

Neben Christiane und Catharina waren in diesem Jahr am Samstag ein Dutzend weitere Bergbeißer am Start. Für Dagmar, Elke und Stefan (Walker) sowie Berit, Frank, Simon, Laurent Pierre, Michael, Marc, Torben, Christian und meine Wenigkeit (Läufer) ging es um 10:30 Uhr unter leichtem Nieselregen auf die 21 km lange Strecke. Von den genannten Bergbeißern war es insbesondere Christian, der gleich vom Start weg so los lief, als hätte er am Nachmittag noch wichtige Termine zu erledigen. Ich selbst versuchte gar nicht erst, Christians Tempo in Ansätzen mitzugehen und versuchte meinen eigenen Rhythmus zu finden. Im Startblock vor Torben gestartet war ich mir sicher, dass jener Torben nicht lange auf sich warten ließ um zu mir aufzuschließen. In Landemert war es dann so weit. Torben begrüßte mich mit einem freundlichen „Jetzt habe ich dich endlich“. Fortan waren wir uns aber einig, dass geteiltes Leid halbes Leid ist und wir somit beide davon profitieren würden, den Bärenberg gemeinsam in Angriff zu nehmen. Bis dato muss ich sagen lief es wirklich gut. Die befürchteten Blasen, die ich beim erst zweiten Lauf in neuen Schuhen zu erwarten hatte, blieben aus.

Trotz Anstrenungen: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Trotz Anstrengungen: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Nicht zuletzt waren es aber vor allem wieder die zahlreichen Zuschauer, die über so manche schmerzhafte Erfahrung hinweg trösteten. Wahnsinn Plettenberg, wo zauberst du selbst bei diesem Sauerländer Mistwetter die ganzen Verrückten her, die nicht etwa auf, sondern neben der Strecke an ihre Leistungsgrenzen gehen? Ich kenne kein anderes Rennen, bei dem man den Faktor Zuschauer Hot-Spots so sehr in die eigene Renntaktik einbeziehen muss. Denn welcher Läufer gibt sich schon die Blöße und zeigt Schwäche, wenn an den steilsten Anstiegen in Landemert oder am Tanneneck hunderte Zuschauer Spalier stehen? Beim P-Weg heißt das: Vorher rausnehmen, durchschnaufen und dann mit Vollgas in das geballte Euphoriebecken eintauchen. Ich selbst tauchte vielleicht etwas zu lange ab, denn kurz nach der Verpflegungsposition am Tanneneck musste ich Torben ziehen lassen. Der Junge hatte tatsächlich einen goldenen Tag erwischt. Ohne größere Probleme meisterte ich die letzte glitschige aber durch das P-Weg Team großzügig gekennzeichnete Trailpassage und erreichte nach 1:57 Stunden das Ziel am Alten Markt. Dort erwarteten mich bereits Torben (1:56 Stunden) und Christian (1:48 Stunden). Puh, anstrengend, aber geil!

Marc, Christian, Torben und Sven haben den Halbmarathon erfolgreich gemeistert

Marc, Christian, Torben und Sven haben den Halbmarathon erfolgreich gemeistert

Auch alle anderen Bergbeißer ließen nicht lange auf sich warten. So auch Berit, die bis kurz vor dem Start mit ihrer Teilnahme haderte und dann trotz krankheitsbedingter Trainingspausen im Vorfeld den Halbmarathon erfolgreich finishte. Die Arbeit war also getan, für das erste jedenfalls. Denn für Frank, Laurent Pierre, Christian und mich sollte im Rahmen der Kombiwertung am Sonntag noch der Bike-Marathon auf dem Programm stehen. Dementsprechend gemütlich ließen wir es am Nachtmittag angehen, ehe wir uns am Samstagabend mit einigen anderen Bergbeißern zur obligatorischen Pastaparty wieder in der Stadt versammelten. Zu diesem Zeitpunkt stießen dann auch die auswärtigen Bergbeißer dazu. Gemeinsam legten wir bei dem einen oder anderen isotonsichen Getränk zusammen mit Teamchef Holger eine Renntaktik für das MTB-Rennen fest oder feierten die Läufer, die ihre Sache mit Bravour hinter sich gebracht hatten.

Der Sonntagmorgen verläuft für Teilnehmer gewohnt etwas hektischer ab als noch der Morgen zuvor. Hier und da ist eben doch noch etwas Schrauberei am Rad notwendig. Auf dem Weg zum vereinbarten Bergbeißer-Treffpunkt sammelte ich Katja, Martin, André und Keke ein. An der „Bergbeißer-Sammelstelle“ angekommen bot sich das gewohnte Bild. Eine Gruppe diskutiert die richtige Kleiderwahl, ein Starter gibt seine Siegesambitionen preis und ein anderer philosophiert über den noch so schlechten Trainingszustand – nichts neues also. Doch eines haben alle Starter gemein – die Anspannung vor dem Startschuss ist deutlich spürbar.

Unserer Langstreckler sind startbereit

Unserer Langstreckler sind startbereit

Traditionell schicken wir die Langstreckler in den ersten bissigen Anstieg hinauf zur Sehnsuchtsbirke und nutzen die Zeit für ein Teamfoto.

Das traditionelle Teamfoto durfte auch in diesme Jahr nicht fehlen

Das traditionelle Teamfoto durfte auch in diesme Jahr nicht fehlen

Kurz nachdem der letzte Blitz der Fotokamera erloschen war, schwärmen die Biker aus – so auch in diesem Jahr. Während sich die „Verrückten“ bereits auf der Strecke befanden, fieberten wir 26 Kurzstreckler dem Rennen im Startblock entgegen. 26 plus 4 mal Mitteldistanz (74 km) plus 4 mal Langdistanz (93 km) macht in Summe 34 Bergbeißer auf den Bikestrecken. Ich selbst konnte beim Start Parallelen zu den ersten Metern am Vortag ziehen. Während Simon, vergleichbar zu Christian am Vortag, schnell einige Meter zwischen uns bringen konnte, saßen mir weitere schnelle Bergbeißer im Nacken. Zusammen mit Steve, alias Clown Stielou, brachte ich die ersten beiden Anstiege hinauf zur Sehnsuchtsbirke und zur Hohenwibbecke hinter mich. Zwar hatten wir uns in der Rennhektik zwischenzeitlich aus den Augen verloren, doch irgendwie fanden wir immer wieder zusammen.

Am Hinterrad von "Stielou" erklimme ich den ersten Anstieg

Am Hinterrad von “Stielou” erklimme ich den ersten Anstieg

Für die Begeisterung der Zuschauer gilt am P-Weg Sontnag das Gleiche wie am Samstag. Auf dem Weg zur Sehnsuchtsbirke kommt Tour de France Feeling auf, am ersten Verpflegungsstand spendet jeder Motivationsruf der Helfer mehr Energie als ein Becher Cola und die Trommler der Himmelsstürmer können mitten im Wald für so manchen emotionalen Ausbruch sorgen. Der Grat zwischen „Warum tue ich mir diese Sch… an“ und „das ist mein glücklichster Moment des Jahres“ ist beim P-Weg verdammt schmal. Doch zurück zum Renngeschehen. Auf der Abfahrt durch die Blemke wurde der Bergbeißer-Express durch Cedrik ergänzt. Ich musste mich auf dem MTB verdammt klein machen um weiter an Cedrik dranbleiben zu können. Mit einem Tempo jenseits der 65 km/h bogen wir auf den Streckenabschnitt „Radweg“ ein. Schnell durch den Vorgarten des Altersheim geschlängelt und die Gerüstbrücke an der Waterkant überquert, machten wir uns auf den Weg in Richtung Teindeln.

Der Bergbeißer-Express um Cedrik, Sven und Steve nimmt Fahrt auf

Der Bergbeißer-Express um Cedrik, Sven und Steve nimmt Fahrt auf

Mit Lokalmatador Paul Schmidt (RSC Plettenberg), der ultraschnellen Beate Schuschke (MTB Rocker) und einem weiteren Biker jagten wir über den Radweg. An dieser Stelle sorgte vor allem Paul mit seinen Triathlon-Qualitäten dafür, dass wir in Zeitfahr-Manier keine unnötigen Sekunden liegen ließen. Gerne hätte ich Paul in der Führungsarbeit einmal abgelöst, doch schon das Halten seines Hinterrades brachte meinen Puls in ungewohnte Spitzen. Und so entschied ich mich beim Anstieg in Richtung Selscheid schweren Herzens dazu, Beate und die Jungs einfach fahren zu lassen. Einzig Steve blieb – auch dank des auffallenden Auftretens als Clown – in Sichtweite. Bis zum Grävinglöh hatte ich dann alle meine Körner verschossen. Naja, weit war es ja nicht mehr, also Zähne zusammenbeißen und durch!

Der P-Weg: Ein Event für alle!

Der P-Weg: Ein Event für alle!

Kurz vor der Hohen Molmert, wo eine Zuschauergruppe um Steffen Reeder (Danke für die Bilder!) mit dem Banner „Jetzt geht´s bergab“ für den finalen Motivationsschub sorgte, konnte Andreas zu mir aufschließen, mich überholen und letztlich stehen lassen. Woher Andreas zu diesem Zeitpunkt des Rennes noch so einen Punch nahm… ich weiß es nicht.

Andreas hatte bis zuletzt mächtig Druck auf den Pedalen

Andreas hatte bis zuletzt mächtig Druck auf den Pedalen

Krampfgeplagt brachte ich den sonst so geliebten Single-Trail hinter mich. Unterwegs musste ich dabei leider Steve und ein paar Meter später auch Paul am Streckenrand mit einem Defekt wahrnehmen. Oberschenkelkrämpfe sorgten dann auch auf den wirklich letzten Metern durch die Innenstadt dafür, dass der endgültige Druck auf die Pedale ausblieb. Egal, der Schwung reichte, um trotzdem über die Ziellinie rollen zu können. Der Kräfteverschleiß machte sich dann auch im Interview mit P-Weg Moderator Carsten Bock auf der Bühne bemerkbar. Sorry Carsten, im nächsten Jahr antworte ich hoffentlich ausführlicher. Bepackt mit Finisher Shirt, Medaille, Streuselkuchen und Weizenbier schlenderte ich durch den Zielbereich und ließ mir die Erlebnisse der Teammitglieder schildern. Die schnellsten drei Bergbeißer auf der Kurzstrecke hießen Simon (2:09 Stunden), Cedrik (2:12 Stunden) und Andreas (2:17 Stunden). Bei mir blieb die Stoppuhr nach 2:17 Stunden stehen. Ein wahres Feuerwerk zündeten unsere Langstreckler ab. Katja konnte die Gesamtwertung der 74 km Distanz gewinnen (4:42 Stunden).

Die Bergbeißer Keke und André hinterließen auf der Langdistanz einen bärenstarken Eindruck

Die Bergbeißer Keke und André hinterließen auf der Langdistanz einen bärenstarken Eindruck

Auf dem Podium der Langdistanz (93 km) sorgten Keke (3:52 Stunden – Gesamtplatz 2) und André (4:07 Stunden – Gesamtplatz 3) für eine Bergbeißer Dominanz. Alexander Gläser (Mondraker Rockets) sicherte sich mit nur 13 Sekunden Vorsprung vor Keke den Spitzenplatz. Bergbeißer Ulrich erreichte einen starken 9. Gesamtrang (4:15 Stunden – Platz 2 in der Altersklasse Sen 3).

Bergbeißer Uli ist seit Jahren Stammgast auf dem P-Weg Podium

Bergbeißer Uli ist seit Jahren Stammgast auf dem P-Weg Podium

Neben den Podiumsplätzen feierten wir auf der After-Race-Party im „Plettenberger“ vor allem das Finish aller Teilnehmer. Trotz schwieriger Bedingungen konnten alle Bergbeißer unversehrt das Ziel erreichen. An dieser Stelle gilt der Dank noch einmal an alle zum größten Teil ehrenamtlichen Helfer, die uns die Teilnahme an einem so außergewöhnlichen Event erst ermöglichen. Danke Euch! Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

Fotos: Süderländer Tageblatt (1), Stadtmarketing Plettenberg (1), Privat (12)