Wenn aus der hohen Acht keine flache Neun werden will

 

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Thomas, Christian, Björn und Sven als glückliche Finisher

Hatzenbach, Adenauer Forst, Fuchsröhre, Hohe Acht oder Döttinger Höhe – allesamt Namen von Streckenabschnitten der berühmt berüchtigten Nürburgring Nordschleife. Beim echten Motorsportfan lösen sie starkes Herzklopfen aus. Der Radsportler dagegen kämpft beim Gedanken an den Streckenverlauf mit Bauchschmerzen. Denn hinter den Namen stehen Fakten: Eine Runde mit 25,1 Kilometern und 542 Höhenmetern, maximale Steigungen von 18 Prozent und rasante Abfahrten mit Spitzenwerten von über 100 Kilometern pro Stunde.

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Über 6000 Radsportler drehten 24 Stunden lang ihre Runden durch die Grüne Hölle

Ob die Bauchschmerzen des Radlers allerdings durch Angst, Respekt oder ein aufgeregtes Kribbeln entstehen, ist unbekannt. Es ist wohl eine Mischung aus allem, die nicht zuletzt begründet, dass sich einmal im Jahr über 6000 Radsportler in der Eifel zusammenfinden. Bei „Rad am Ring“ stehen Hobbysportler sowie Profis am Start, um sich gleich zwei Herausforderungen zu stellen. Als ob ein 24-Stunden-Rennen nicht schon Herausforderung genug wäre, geht es zusätzlich darum, die furchteinflößende und zugleich reizvolle Grüne Hölle zu bezwingen.

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Besonders wichtig bei dem heißen Wetter: Viel Trinken!

Ende Juli war es nun wieder so weit. Wo sonst nur PS-starke Motoren heulen, drehten tausende von Zweiradlern ihre Runden – unter ihnen auch vier Bergbeißer, die die Fahnen am Ring hochhielten. Entgegen des natürlichen Biorhythmusses, welcher an regelmäßige Schlafens- und Esszeiten gewöhnt ist, verlangten Christian Fornaroli, Thomas Birkelbach, Björn Walter und Sven Klingschat ihren Körpern unverhältnismäßige Leistungen zu Unzeiten ab.

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Drei Bergbeißer auf weiter Flucht

Pünktlich um 13:15 Uhr am Samstagnachmittag läutete Startfahrer Björn Walter das Langstreckenrennen ein. Nach den ersten Kilometern auf der Grand Prix Strecke sollte die wilde Achterbahnfahrt durch die Grüne Hölle beginnen. Mit 100 km/h durch die Fuchsröhre, mit einem Puls von 200 Schlägen pro Minute in die giftigen Gegenanstiege, mit letzter Kraft und eisernem Willen den steilen Anstieg hinauf zur Hohen Acht und im Windschatten über die Döttinger Höhe zurück zum Wechselpunkt – nicht nur topografisch erinnert eine Fahrt über die Nordschleife an eine Achterbahnfahrt. Auch die Gefühle der Sportler spiegeln eine solche wieder. Aus dem einen bricht nach temporeicher Abfahrt und reichlich Adrenalinüberschuss ein lautes „Geil!“ heraus, dem anderen beim kräftezerrenden Anstieg der gesamte Mageninhalt.

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Beim Wechsel von Thomas auf Björn läuft alles glatt

Der befreundete Solofahrer Carsten Orlowski traf es am Sonntagmorgen auf den Punkt: “Zwischen drei und vier Uhr kam dann das erwartetete Motivationstief und aus der “hohen Acht” wollte einfach keine “flache Neun” werden. Aber ich bin immer wieder hin gefahren um nachzuschauen. Klingt komisch, aber mit solchen banalen, sinnfreien Gedanken rettet man sich durch die Nacht.” Jeder Sportler wusste von seiner Runde eine ganz eigene Geschichte zu erzählen – bei den Bergbeißern waren es überwiegend Geschichten mit Happy End.

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Auch in der Nacht spulten die Bergbeißer schnelle Runden ab

 Bei bestem Wetter sorgte das 4er Team, welches in gleicher Besetzung bereits 2013 an den Start ging, mit engagierter Leistung für ein achtbares Ergebnis. Nach 627,5 Kilometern und insgesamt 13550 Höhenmetern sprang am Ende unter 621 gewerteten Teams der 177. Platz heraus. Angesichts eines starken Starterfeldes, gespickt mit aktiven und ehemaligen Radprofis wie Stefan Schumacher, Christian Knees, René Haselbacher oder Mike Kluge, waren die vier Bergbeißer mit ihrem Ergebnis sichtlich zufrieden. Im nächsten Jahr wollen die Jungs wieder mit von der Partie sein – einmal gepackt, lässt einen das Nordschleifen-Fieber nicht mehr los.

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Endlich geschafft – die gemeinsame Zieldurchfahrt

Fotos: Sportograf (5), Sven (2)